Die Chaos-Mama hat keine Ahnung von Physik

Als das Kind 2,5 Jahre alt ist, findet der Familienurlaub in einem griechischen Clubhotel statt. Das Kind ist kurz vor dem Urlaub schon ein paar Mal testweise auf dem Topf gesessen. Im Urlaub ist das Kind plötzlich motiviert und erklärt während des Abendessens im Restaurant, dass es jetzt Pipi muss. Dein pädagogisch nicht wertvoller, aber die Fortführung eines gemütlichen Essens unterstützender Vorschlag, es habe doch eh eine Windel an, wird mit lautem Protest verweigert. Also suchst du mit ihm die Damentoilette auf. Um das Geschäft im Stehen zu verrichten, ist die Muschel zu hoch. Auf die Klobrille setzen will es sich nicht. Die Angst, von der Toilette geschluckt zu werden, ist einfach zu groß. Du hebst es also in einem leichten Neigungswinkel in die Höhe und hoffst, dass es das Ziel und nicht deine Zehen erwischt. Die nächsten Tage hast du, sofern du nicht gerade am Zimmer bist, wo es den Topf nutzen kann, viele Möglichkeiten, die perfekte Position zu finden. Eine der praktikabelsten Varianten ist das Trockenlegen der Klomuschel mit der darauffolgenden Auslegung mit Toilettenpapier und danach stellst du das Kind auf die Klomuschel.

Der klare Vorteil – du brauchst das Kind nur absichern und kannst somit noch schadenbegrenzend eingreifen, falls die Zielrichtung von den Koordinaten des Abflusses abweicht. Der Nachteil – deine neue Tätigkeit als Klofrau wird von den Verantwortlichen des Hotels nicht ausreichend honoriert. Also auch keine zukunftsträchtige Variante. Die Möglichkeiten, die noch zur Auswahl stehen, wären ein überproportionaler Wachstumsschub, um die Höhe der WC-Muschel zu erreichen, oder das Kind von den Vorteilen der Windel zu überzeugen. Da hörst du sie schon in deinem Kopf schreien – die selbsternannten Erziehungsapostel mit all ihren Warnungen, was diese Vorgehensweise nicht alles bei dem armen Kind anrichten könnte. Also müssen neue Ideen her!

Das Schöne an dieser weitläufigen Clubanlage sind die vielen Bäume und Sträucher. Natur zu Natur – macht doch Sinn. Gedacht, getan. Aber nicht bedacht, dass die Natur auch unerwartete Tücken mit sich bringt. Die rote Flagge, die am Strand gehisst wurde, hat eigentlich schon die Gefahr angezeigt. Wärst du ein Mann, hättest du dieses Zeichen deuten können. Aber als Jungmama bist du kein Mitglied im Club der Wissenden mit Glied. Die rote Flagge warnt nicht nur vorm Sturm und unkontrollierbaren Strömungen im Wasser, sondern auch vor der Handhabung mit wasserbasierenden Strömen am Land. Das hast du natürlich nicht bedacht.

Der Wind hat sowohl das Kind als auch dich, in der Position des Background-Girls, leider nicht mit einer erfrischenden Meeresbrise beschenkt. Dass dein Mann dir nun lachend erklärt, dass es doch logisch sei, dass man nicht gegen den Wind pinkelt, ist nun leider etwas zu spät.

Du hättest eher Physikbücher anstelle der unnötigen Erziehungsratgeber lesen sollen, denn die wirklich wichtigen Dinge haben sie dir verschwiegen.

© Melly_Mojito