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Die Chaos-Mama @home: Tag 15

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Die Chaos-Mama @home: Tag 15 | story.one

Familiy Link – das ist die App, die helfen soll, spielsüchtige Kinder hinsichtlich der Benutzung des vorhandenen technischen Equipments zeitlich einzuschränken. Es wurde 1h pro Tag für die Online-Spielzeit definiert. War ein Kind mitten in einer wichtigen Spielrunde, wurde die Spielzeit anlassbezogen verlängert, du bist ja kein Unmensch. Ebenso wurde eine Schlafenszeit fixiert, d.h. die Geräte wurden erst am Nachmittag nach der Erledigung der Hausaufgaben entsperrt. Dann wurden plötzlich abwechselnd Papa oder Mama im Büro kontaktiert, da im Unterricht das Internet benötigt wurde und das arme Kind angeblich das Einzige war, das nun sein Handy nicht verwenden konnte. Nach dem zehnten Anruf im Büro wurde die Schlafenszeit geändert. Irgendwann lief die Online-Spielzeit wieder etwas aus dem Ruder. Dann wurde vereinbart, dass die nun eingegebenen Zeiten fix seien und nicht mehr angepasst werden.

Dann spielte plötzlich der 6 –Jährige, obwohl die Schlafenszeit schon aktiviert sein hätte müssen und der 11-Jährige schrieb fröhlich Whatsapp-Nachrichten obwohl das tägliche Online-Zeitlimit schon erreicht war. Vor ein paar Wochen mehrten sich diese Ungereimtheiten. Die Kinder beide ganz auf Unschuldsengel, waren überzeugt, dass die App einen Fehler haben muss, denn sie konnten sich das nicht erklären. Das ging eine ganz Woche lang gut, dann packte den Kleinen das schlechte Gewissen und er gestand, dass der Große dein altes Handy gefunden hat. Auf diesem Telefon waren noch alle deine Daten drauf – und somit auch die App. Folglich entsperrten sich die Kids selbst, wann immer sie es für nötig hielten. Nun schlichen Mama und Papa ins Kinderzimmer, fanden nach langer Suche das Corpus Delicti und änderten den Code. Einen Tag später lag dein altes Telefon wieder an seinem ursprünglichen Platz.

Irritierender Weise fing nun die App wieder an, die Zeiten zugunsten der Kinder zu verlängern. Die Kinder beschuldigten wieder die Programmierer der App, ein fehlerhaftes Produkt auf den Markt geworfen zu haben und setzten dazu wieder ihren Engelsblick auf. Dein Verdacht, dass sie dein Telefon verwenden, um sich selbst zu entsperren wurde brüsk zurückgewiesen. Dein Mann empfahl dir das Entsperrmuster zu ändern.

Das widerspricht aber völlig deinem Sicherheitsgefühl. Du möchtest, dass die Kinder jederzeit in der Lage sind die Rettung zu rufen, falls du mal ohnmächtig wirst. Dein Mann meinte, dass sei kein schlüssiger Grund, da ein Notruf jederzeit auch von dem gesperrten Telefon abgesetzt werden könnte.

Du hast es getan. Schnell und nebenbei, denn die Jungs müssen dringend an die frische Luft.

Als du nach der Rückkehr dein Handy entsperren möchtest, funktioniert der neue Code nicht.

Die Kinder leiden mit dir und haben anscheinend nun doch ein schlechtes Gewissen, da sie unaufgefordert noch Schulaufgaben erledigen. Aber am meisten leiden sie, da sie sich nun nicht mehr selbst entsperren können. Du dich aber auch nicht…

© Melly_Mojito 05.04.2020

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