Die Chaos-Mama und das Lego-Aha-Erlebnis

Die Jungs sind motiviert und wollen ihre Legosteine sortieren. Getrieben von dem Wunsch, alle Fahrzeuge, Häuser usw. gemäß Anleitung wieder aufzubauen, werden alle Kisten ausgeleert. Kein leichtes Unterfangen bei geschätzten 10.000 auf dem Boden verstreut liegenden Legosteinen – bzw. Stückchen. Denn die Mehrheit bilden ja leider diese Miniaturteile, die, wenn sie nicht bereits im Staubsauger ihr unerwartetes Ende gefunden haben, sich hier hartnäckig in der Masse verstecken. Es dauert keine Minute, bis der erste Ruf aus der Legohölle ertönt. „Mama! Du musst uns helfen, wir finden den Teil nicht“. Also schaufelst du dir ein kleines Legofreies Plätzchen frei und beginnst mit der Bildung von Häufchen in der gleichen Farbe. Aus verschiedenen Richtungen werden dir Anleitungen vor die Nase gehalten, die vorrangig zu behandeln wären. Du schlägst vor, mit einem Fahrzeug zu beginnen, wo wenigstens noch Fragmente erkennbar sind, damit du schneller einen Erfolg verbuchen kannst.

Die Suche beginnt. Es geht relativ gut voran – bis zu dem gefürchteten Moment jeder Legostein-Suche. Ein Teilchen ist unauffindbar. Während du intensiv am Sortieren und Suchen bist, findet neben dir eine wilde Verfolgungsjagd statt. Halbfertige Polizeiautos jagen ein Räuberauto, das aus herum liegenden Steinen provisorisch zusammengebaut wird. Du zeigst immer wieder das Bild des gesuchten Teilchens. Aber keiner sieht hin. „Wir wissen eh, wie es aussieht, aber wir finden es nicht!“, lautet die lapidare Erklärung.

„Brrrrrrrrumm“ - das Polizeiauto rammt das Räuberauto. „Hallo? Könnt ihr bitte mithelfen!“ Erstaunte Gesichter. „Aber Mama, wir spielen doch gerade!“ Jetzt bist du mittendrin, statt nur dabei und es dämmert dir, dass du eigentlich alleine suchst. Vom bekannten männlichen Jäger- und Sammlerinstinkt verbleibt Legotechnisch nur das Sammeln. Der Jagdinstinkt nach den verlorenen Teilen ist bei den Jungs definitiv nicht ausgeprägt, während er bei der Verfolgungsjagd offensichtlich ist. Warum? Nur, weil die Legosteine sich nicht bewegen? Warum hast du dann diesen komischen Drang und sortierst wie eine Besessene? Du könntest dich auf die Couch setzen und die Zeitung lesen. Aber nein – du sortierst. Dann hast du dein persönliches Erfolgserlebnis! Du hast den fehlenden Teil gefunden! Wohlgemerkt – einen! Beim Versuch, deinen nun eingeschlafenen Fuß wieder aufzuwecken, bemerkst du, dass schnelles Aufstehen nicht funktioniert. Du bist also definitiv zu langsam und nicht geeignet für die Jagd. Deshalb hockst du nun in der Lego-Hölle (vorzeitlich: Höhle) und sortierst quasi die Sammlerstücke, die die Jungs bringen. Frustrierend, die Genetik…

Die Verfolgungsjagd der Polizei verlagert sich ins Wohnzimmer. „Warum geht ihr jetzt? Ihr wolltet doch die Teile suchen?“, setzt du einen letzten Hilferuf ab. Die Antwort erfolgt aus der Ferne: „Weil da kein Platz zum Spielen ist, wegen dem Chaos!“

© Melly_Mojito