#familienwahnsinn

Die Chaos-Mama und das Schwimm-Phänomen

  • 288
Die Chaos-Mama und das Schwimm-Phänomen | story.one

Das Kind ist 5 Jahre alt und wird zu einem Schwimmkurs angemeldet. Ein Mal pro Woche planschen die Kleinen im Wasser herum. Während nach einem halben Jahr der Großteil der Kinder sich tatsächlich in schwimmähnlichen Bewegungen über Wasser halten kann, ist bei deinem Kind keine Spur von Überlebenswillen erkennbar. Er hat zwar richtig Spaß, ist aber immer irgendwo allein im Becken unterwegs, selten aber bei der Gruppe. Du hast in grenzenloser Naivität deine Zeitung eingepackt und dachtest, du könntest entspannt auf deiner Liege lesen, während das Kind den Anweisungen der Schwimmlehrerin folgt. Stattdessen beobachtest du in höchster Alarmbereitschaft wie eine Bademeisterin das Geschehen – allzeit bereit zum Sprung ins Becken. Nach Ende des Kurses steht der Sommer vor der Tür. Ein glücklicher Zufall beschert dir die Anwesenheit einer Schwimmschule im Urlaubshotel. Sofort werden Einzelstunden für das Kind gebucht und am vierten Tag schwimmt es ganz alleine. Die deutsche Schwimmtrainerin ganz auf deutsche Gründlichkeit gepolt schlägt vor, gleich die Prüfung für das Schwimmabzeichen abzulegen. Das Kind soll 25m schwimmen. Es ist übermotiviert und schwimmt die Beckenlänge hin und retour und absolviert somit die Länge von 50m ohne Probleme. Eine Woche später wieder daheim, wird das örtliche Schwimmbad aufgesucht. Das Kind geht ins Wasser. Als es nicht mehr stehen kann, geht es unter. Du fragst, was los sei. Er schaut dich verständnislos an und meint, er kann ja nicht schwimmen. „Du hast das Seepferdchen-Abzeichen! Du wirst dich doch noch erinnern, wie du das vor 5 Tagen gemacht hast?“ Nein – alles weg. Keine Chance. Du überlegst, ob es an dem Schwimmbad liegt, da er ja hier ein halbes Jahr lang das Nichtschwimmen erlernt hat – negatives Karma vom Becken oder so. Ein paar Wochen später ein anderes Schwimmbad. Gleiches Szenario. Das Kind macht wieder unorthodoxe Bewegungen und sinkt. Die Schwimmflügerl werden wieder zur Grundausstattung. Sämtliche Versuche das Kind zu motivieren schlagen fehl. Er trägt seine Schwimmflügerl mit Stolz. Dann ein halbes Jahr Schwimmpause. Im Sommer dann ein Schwimmbadbesuch mit einer Freundin und deren 4jähriger Tochter. Das Mädchen schwimmt ohne Schwimmflügerl. Das macht ihn völlig fertig. Er steht am Beckenrand und weigert sich die Schwimmflügerl anzulegen.

Die 4Jährige dreht ihre Runden und ruft ihm zu, dass er endlich ins Wasser kommen soll. Schwierige Situation. Immerhin ist er ja schon 6 und fast ein Schulkind. Wie soll er dieses Problem lösen? Die Schwimmflügerl sind ihm nun zum ersten Mal unangenehm. Er fragt ob er die Schwimmnudel nehmen kann. Dann hüpft er ins Wasser, macht ein paar Tempi mit der Schwimmnudel – und dann schwimmt er. Ganz alleine! So wie im Jahr davor.

Unfassbar das männliche Ego! Jetzt bist du auf der Suche nach 4jährigen Mädchen, die ihre Schmutzwäsche nicht einfach fallen lassen, ihre Schokofinger nicht in die Couch wischen und gerne Schulaufgaben machen.

© Melly_Mojito 19.10.2019

#familienwahnsinn