Die Chaos-Mama und das verschollene Gepäck

Endlich Urlaub! Du stehst mit deiner Familie am Gepäckschalter, um alles für den Flug aufzugeben. Die Dame druckt die Baggage Tags aus und plaudert mit den Kindern. Dann fragt sie „Waren das vier Gepäckstücke?“ Du bejahst, da steht sie plötzlich auf und läuft auf die gegenüberliegende Seite zu einem Schalter, redet mit einem Mann und kommt wieder zurück. Du fragst, ob alles in Ordnung sei. Sie sagt „Ja, alles ok! Schönen Urlaub!“ Aha.

Als du zwei Stunden nach der Ankunft beim Lost-and-Found-Schalter von Mallorca stehst, erkennst du, dass doch nicht alles in Ordnung war. Eine freundliche Dame nimmt alle Daten auf und gibt dir die Telefonnummer der Fluglinie und erklärt dir, dass jemand vom Hotel dort anrufen soll, der Koffer wird dann sofort nachgebracht. Es ist knapp vor 23 Uhr als du deinen Zimmerschlüssel, einen schlafenden 3-jährigen, einen hungrigen 7-Jährigen, einen dehydrierten Mann und ein unfassbares Verlangen nach einem richtig starken Drink hast. Die Aufforderung einfach mal die Nummer anzurufen, für nähere Infos über den Verbleib deines Gepäcks, entpuppt sich als Beschäftigungsprogramm für gelangweilte Rezeptionisten und Touristen. Endlose Warteschleife.

Am nächsten Tag empfiehlt dir die Rezeptionistin am Abflughafen anzurufen. Du rufst also in Wien an. Nach vielen Telefonaten sprichst du mit einem Mitarbeiter des Lost-and-Found-Schalters. Er sagt, er weiß, wer du bist, da die Kollegin gestern zu ihm gelaufen ist. Ihr ist eine Schleife übriggeblieben, da hat sie beim Förderband aber schon das Knopferl gedrückt – und das Gepäcksstück war schon auf dem Weg. Was heißt das? Naja, wenn es keine Schleife hat, läuft es auf das Förderband in die Ankunftshalle und dann muss man halt hoffen, dass es niemand mitnimmt von den Passagieren, die gerade in Wien gelandet sind. Wenn man Glück hat, kommt das Gepäckstück dann wieder zurück, wo es ein Mitarbeiter übernimmt und überprüft, ob eine Adresse oben steht. „Warum hat die Dame uns das nicht gleich gesagt?“ fragst du völlig entgeistert. „Sie wollte ihnen nicht den Urlaub verderben“ erklärt er. Na das ist aber reizend! Du weist ihn darauf hin, dass dein Gepäck mit einem Adressanhänger ausgestattet ist und somit leicht gefunden werden sollte. Das ist zwar gut, aber leider ist es noch nicht aufgetaucht.

Am nächsten Tag bekommst du einen Anruf! Dein verschollenes Gepäck wurde gefunden! Endlich! Er erklärt dir, dass kein Anhänger ersichtlich war, deshalb wurde es vom Flughafenpersonal geöffnet. Aha. „Sie warten sicher schon auf ihr Bärenkostüm!“ ruft er fröhlich ins Telefon, „Es ist quasi schon auf dem Weg zu ihnen!“

„WAAAAAAAAAAAAAS??? Ich bin auf Mallorca! Was soll ich mit einem Bärenkostüm?“ Stille. „Aber es ist doch ein blauer Koffer?“ fragt er enttäuscht. Nein, du vermisst eine blaue Reisetasche. Du kaufst dir dann notgedrungen das schnellst verfügbare Kleidungsstück – ein peinliches „I love Mallorca-Shirt“ – weil für das Bärenkostüm ist es doch etwas zu heiß.

© Melly_Mojito