Die Chaos-Mama und der Nestbautrieb

Du bist schwanger! Endlich, nach fünf Jahren ist es wieder soweit. Ende Juni soll es soweit sein. Du bist glücklich und entspannt. Ende Dezember liegt dein Mann plötzlich mit einem doppelten Bandscheibenvorfall wechselweise im Spital oder auf der Couch. Du bist zwar nicht mehr ganz so entspannt, aber du schaffst das. Du hast einen Kleingarten, den du noch vor der Geburt auf Vordermann bringen willst.

Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Nestbautrieb hormongesteuert und instinktiv erfolgt, d.h. Schwangere können nichts dafür, wenn sie in den letzten Wochen dem Putzwahn unterliegen und das Kinderzimmer mehrmals umräumen. Du musst also ziemlich hormongesteuert sein, wenn du in der 37. Schwangerschaftswoche Handwerker organisierst, die dir beim Geräteschuppen eine größere Tür einbauen, weil der Griller nicht bei der vorhandenen Tür hineinpasst.

Nachdem die Handwerker gegangen sind, putzt du also wie besessen und hast den saubersten Geräteschuppen der Welt. Andererseits gibt’s daheim keine Möglichkeit, diese Instinkte auszuleben, denn du hast ja schon ein Kinderzimmer. Du kommst erschöpft nach Hause und erfährst, dass dein Mann, der nun seit drei Monaten wieder auf den Beinen ist, einen Rückfall erlitten hat und morgen früh um 7 Uhr einen Termin beim Arzt für eine Injektion hat.

Du erwachst um halb 8 in der Früh mit einem komischen Gefühl. Ein Blasensprung! Im ersten Moment bist du fast begeistert von den hormonellen Prozessen, die da in dir ablaufen. Das hätte dir am Vortag schon zu denken geben können, dass da jemand raus will, weil du ja nun Rasenmäher und Gartenstühle auf quasi sterilem Untergrund parkst. Dinge, die die Welt nicht braucht. Jetzt setzt doch leichte Panik ein. Du drehst dich auf die Seite und willst deinen Mann wecken. Aber der ist nicht da – der ist ja beim Arzt. Du rufst also deine Mama und einen Krankentransport. Dann kommen sie – die Männer, die dich nun sicher ins Spital bringen und beruhigen werden - zwei Zivildiener.

F: „Können Sie aufstehen?“

A: „Natürlich kann ich – aber ich sollte nicht“

F: „Können Sie bitte bis zur Tür gehen, wir bekommen die Transportliege nicht auf“

A: „Ok, aber ich sollte nicht.“

F: „Könnten sie bitte im Lift stehen?“

A: „Natürlich – aber ich sollte nicht – das ist echt gefährlich“

Endlich erreichst du zu Fuß das Auto – so jetzt darfst du dich endlich hinlegen. Der Wagen setzt sich in Fahrt. Dann die Frage aller Fragen:

F: „Haben sie Wehen?“

A: „Nein“

„Gott sei Dank! Sie sind nämlich meine erste Schwangere! Meine Kollegen haben mir erzählt, dass das so eine riesige Sauerei ist, weil das Blut so spritzt und wir dann das ganze Auto putzen müssen!“

So lieb und fürsorglich die Jungs! Du bist ja schon Mama eines 5-jährigen Sohnes und du weißt, was du zu tun hast. Du beruhigst den armen Kerl und versprichst ihm, nicht in seinem Wagen zu gebären. Dann lenkst du ihn ab und bittest ihn um einen Kaugummi, weil du ja noch nicht Zähne putzen konntest. Und natürlich hältst du dein Versprechen!

© Melly_Mojito