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Die Chaos-Mama: Welcome to Miami

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Die Chaos-Mama: Welcome to Miami | story.one

Die Eltern von Freunden besitzen ein Haus in Miami. Es wird die Idee geboren, dass man gemeinsam einen relativ günstigen Urlaub dort verbringen könnte. Der anvisierte Termin fällt in den Atlantischen Ozean, da die Freunde ihr erstes Kind erwarten. Ein Jahr später wird der nächste Flug storniert, weil du schwanger bist. Die Idee wird aber nicht verworfen, sondern bekommt nur eine neue Dimension.

Als die Dimension 1,5 Jahre alt ist, wird das Abenteuer Miami in die Tat umgesetzt. Mangels eines Direktfluges muss noch ein 4-h Zwischenstopp überstanden werden. Vor dem Weiterflug stellt das Bordpersonal fest, dass einige Passagiere ihre Visa vergessen haben – es folgt ein weiterer 2h-Aufenthalt im stehenden Flugzeug. Zumindest ist die Versorgung des Kindes sichergestellt. Da für Kleinkinder die Mitnahme von Flüssigkeiten erlaubt ist, hast du eine 2l-Flasche mit seinem Lieblingsgetränk im Handgepäck – Karottensaft verdünnt mit Wasser.

Dann folgen 10h in der Luft. Nach 20h Reisezeit endlich Landung in Miami. Eine weitere Stunde wird mit der Wartezeit auf den Mietwagen verbracht. Dann sinken die Eltern völlig erschöpft in das vollbepackte Auto im Bewusstsein, dass nun weitere 2 Stunden Autofahrt bis zum Haus der Freunde zu absolvieren sind.

Als die Lichter von Miami nur mehr im Rückspiegel erkennbar sind, breitet sich große Dunkelheit aus. Rechts und links das große Nichts. Die Fahrt durch die Everglades gibt deinem Mann den Rest. Er meint, er müsse jetzt dringend irgendwo stehen bleiben und ein Cola trinken, sonst schläft er noch ein. Er ruft seinen Freund an und berichtet, dass ihr auf dem Weg seid. Als er ihm sagt, dass er noch einen kurzen Stopp einlegen wird, antwortet der Freund: „Nicht stehenbleiben!“ Dann bricht die Verbindung ab. Ist Miami so gefährlich? Warum darf er kein Cola kaufen? Irritiert fährt er weiter auf diesem Highway ins schwarze Nichts.

Du wirst nun auch etwas unrund und redest wie aufgezogen, damit er nicht einschläft. Dann hast du die Idee. Singen mit dem Kind! Du hast im Handgepäck Rolf Zuckowskis Top 100. Das musikalische Sammelwerk seiner beliebtesten Kinderlieder. Plötzlich ertönt ein Lied wie bestellt: „Papi, wach auf!“ [„… Mit deinen kleinen Augen siehst du so niedlich aus. Papi, wach auf!“]

An Situationskomik eigentlich nicht mehr zu überbieten, fleht er nun nicht nur nach einem Wechsel des Musikgenres sondern ist auch knapp am Dehydrieren. Alle Wasserflaschen sind leer. Es gibt nur noch Babymilch. Verzweiflung macht sich breit. Da findest du die Flasche mit dem abgestandenen Karotten-Wassergemisch.

Obwohl der Aufenthalt die Anreise mehr als entschädigt hat, ist er bis heute traumatisiert. Wenn jemand „Miami“ sagt, verzieht er das Gesicht und stammelt, dass er nie wieder in seinem Leben Karottensaft trinken wird.

Warum er keinen Halt machen sollte? Wegen der 4h-Verspätung war es Mitternacht und sein Freund war müde vom Tag am Meer und wollte nur, dass er auf dem schnellsten Weg zu ihm fährt…

© Melly_Mojito 11.06.2020

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