Die Chaos-Mama: Wenn wirklich alles fließt

Semesterferien. Da dein Mann zu dieser Jahreszeit nicht Urlaub nehmen kann, fliegst du mit den Jungs allein nach Teneriffa. Dem Winter entflohen, sitzt du an der Poolbar und kannst dein Glück kaum fassen. Die Kinder schwimmen im Pool, buddeln im Sand und sind sogar top motiviert bei den Ausflügen auf der Insel.

Das Hotelzimmer besteht aus einem Schlafzimmer, einem Wohnbereich mit Küchenzeile und ausziehbarer Couch. Zwischen Couchende und Wand verbleibt ein knapp 1 Meter breiter Durchgang zum Balkon. Eines Nachts gegen ein Uhr früh hörst du Geräusche aus dem Wohnbereich. Schlaftrunken schlurfst du dem Lichtschalter entgegen. Da erblickst du den 11-Jährigen, der sich genau in diesem Nadelöhr zwischen Couchende und Wand übergibt. Warum er diese umständliche Umrundung seiner Schlafstätte als Weg zum Bad gewählt hat, erschließt sich dir beim besten Willen nicht. Jedenfalls kann er nun nicht weiter ohne in das von ihm verbreitete Grauen zu treten. Du eilst ihm entgegen, um ihn aus den Tiefen der Magensäure zu geleiten. Also ab in die Dusche um schnellstmöglich eure kontaminierten Füße zu waschen. Du hältst den Brausekopf zielsicher gerichtet auf deine Zehen und …

Platsch!

„Ach ja…“, jetzt erinnerst du dich, wie begeistert er war, als er beim Duschen entdeckt hat, wie man die Regendusche anstellt. Leider hat er verabsäumt, den Hebel wieder in die Ausgangslage zu drehen. Nichts an dir ist trocken geblieben. Danke Karma!

Du ziehst dir ein trockenes T-Shirt an und stellst dir die Frage aller Fragen: Wie entfernt man dieses liquide Fußbodenmosaik wenn du der Rezeptionistin nicht erzählen möchtest, dass Spaghettifragmente und Ähnliches auch auf der Tapete kleben? Der erste Versuch mit einem Geschirrtuch scheitert kläglich und bringt dich fast in die Situation, es deinem Kind gleich zu tun. Das einlagige Klopapier in südlichen Ländern ist definitiv keine Hilfe. Dann die rettende Idee! Das Strandtuch mit dem „Paw Patrol“-Aufdruck. Das ist für 6-Jährige doch eh schon uncool. Das saugt die Bodendeko mit einem Wisch und landet in einem Sackerl auf dem Balkon. Mit Handtüchern wird der Boden geschrubbt und mit Geschirrspülmittel, das du in einem der Küchenschränke findest, eingelassen, bis alles glänzt und duftet. Als auch die Wand von sämtlichen Fremdkörpern befreit ist, wird das Kind aus dem Bad geholt und schläft wieder ein – und deine Haare sind mittlerweile auch fast getrocknet.

1 Stunde später hörst du wieder ein Geräusch. Diesmal seid ihr beide schneller – ihr trefft euch schon vor dem Bad –aber eben leider nur davor. Also Repeat-Taste.

Es gibt nur mehr 1 Handtuch! Alarmstufe Rot! Mama und Mistkübel kommen nun zur Sicherheit auf die ausziehbare Couch neben das Kind.

Heute Nacht bleibt die Balkontür offen. Es ist 3 Uhr morgens und der Lärm der umliegenden Lokale verstummt. Da hörst du wieder etwas Fließen. Diesmal aber echt gutes Karma mit dem schönsten Geräusch der Welt – dem Rauschen des Meeres! Jetzt ist alles wieder gut!

© Melly_Mojito