Rosi Famosi und das Holz vor der Hütte

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Rosi Famosi und das Holz vor der Hütte | story.one

Es gibt Dinge im Leben, die kann man noch so sehr verurteilen – irgendwann steht man vor dem Spiegel und denkt sich, das kann es doch noch nicht gewesen sein. Da muss es doch eine Lösung geben. Rosi hat als Kind unabsichtlich wesentliche Körperteile ihrer Oma gesehen, als diese sich im Nachthemd nach vorne gebeugt hat. Da waren zwei irrsinnig lange und dünne Hautsäcke ganz massiv von der Erdanziehung betroffen. Die Rosi war ziemlich schockiert vom Anblick der nackigen Oma und folglich etwas traumatisiert. Aber die Jahre zogen ins Land und die Rosi wurde größer und hatte das Glück das Holz, das die andere Großmutter vor der Hütte lagerte, zu erben. Dann bekam die Rosi das erste Kind und aus dem C wurde ein E und dann ein B. Dann kam das zweite Kind und aus dem B wurde ein F und dann kam der Tag, als die Rosi sie im Bikini aufrollen musste, damit sie im Körbchen und nicht unterhalb ihr Dasein fristen. Dann hatte die Rosi ein Déjà vu. Ganz die Oma! Eh schön, wenn man die familiären Bande über Generationen nachvollziehen kann. Aber es kann schon ziemlich das eigene Selbstbild verunsichern, wenn man mit 40 körperliche Ähnlichkeiten aufweist, die man als Kind bei einer 70Jährigen entdeckt hat. Also äußert die Rosi den Wunsch, dass die überschüssige Haut entfernt werden soll, Implantat möchte sie aber keines. Der Chirurg erklärt ihr, dass bei Entfernung der Haut, gar nichts mehr vorhanden wäre – also das Holz vor der Hütte quasi zu einer Pressspannplatte verarbeitet werden würde. Also wenn schon Holzschnitzerei, dann nur ein kleiner Innenausbau. Es folgen wunderschöne Jahre und irgendwann ist die Rosi so im Reinen mit den zwei Neuen, dass sie fast vergisst, dass sie nicht mehr biologisch abbaubar ist, sondern Plastik in sich trägt.

Dann macht die Rosi einen Familien-Radausflug. Ihre kleine Tochter hat ein Problem mit ihrem Schuh. Sie bückt sich über sie, um das Schuhproblem zu beheben. Da hebt die Kleine ruckartig den Kopf mit dem Fahrradhelm und donnert von unten gegen den Plastikvorbau. Autsch! Tage später spürt die Rosi immer noch, dass das ein ziemlich ungleicher Kampf war. Ein paar Wochen später bemerkt sie plötzlich eine Delle. Ein Haufen Untersuchungen und eine OP später ist klar, dass der Aufprall des Helmes eine komplette Demolierung des Innenausbaus zur Folge hatte.

Die Rosi hat sich dann mit Internetrecherchen schlau gemacht und herausgefunden, dass es sogar ein erfolgreiches Experiment gab, wo ein LKW über ein Silikonkissen fuhr, um dessen Widerstandsfähigkeit zu testen. Pah, wie langweilig – nur ein LKW im Infight gegen das Implantat! Die hätten sich das Kind von der Rosi ausborgen sollen, um damit wirklich seriöse und praxisrelevante Tests durchzuführen. Jedenfalls ist die Rosi nun völlig von der Schutzwirkung von Fahrradhelmen überzeugt und beruhigt, dass der Kopf ihres Kindes heil geblieben ist, da der LKW im Zweikampf ja anscheinend nicht so erfolgreich war.

Die Moral von der Geschicht´ – bück´ dich nicht!

© Melly_Mojito 17.10.2019