1.1. There is only one Phil Taylor

Lancashire. Blackpool. Winter Gardens. Empress Ballroom. Sonntag. 30. Juli 2017. 20 Uhr. Finaltag!

3000 Menschen, Männer, Frauen, Kinder, meist bunt verkleidet, man könnte meinen, im Hochsommer hätte der Fasching ein Revival. Die Menge ist ausgestattet mit Tafeln, sie ist elektrisiert von der Spannung dieses Abends. Ein warmer Sommertag, der sich seinem Ende zuneigt. Im Zuseherbereich bleibt es heiß und auf der Bühne herrschen Saunatemperaturen. Keine Klimaanlage darf eingeschaltet, kein Fenster geöffnet werden. So muß es sein, so sind die Regeln.

Das Publikum ist freudig erregt, es unterhält sich bestens, ausgelassen und friedlich zugleich. So ist das immer hier. Seit 1994, seit 24 Jahren. Nur in diesem Jahr ist etwas ganz anders: Wehmut, Traurigkeit und viel Dankbarkeit untermalt die ansonsten freudige Atmosphäre. Und alle warten auf ihn, "the Legend", "the one and only". Sein Name ist Synonym für die Sportart, die er weltweit groß gemacht hat: Phil, "the Power", Taylor.

Und es wird nach 107 Siegen hier in Blackpool sein letzter Auftritt sein. Er, der 16-fache Weltmeister hat dieses Turnier, das "World Matchplay", das das wichtigste nach der Weltmeisterschaft ist, bereits 15 Mal gewinnen können. Phil liebt Blackpool und besonders den Empress Ballroom, in dem normalerweise Tanzveranstaltungen oder Theatervorstellungen stattfinden, er bezeichnet den Saal als "my living room", sein persönliches Wohnzimmer. Die PDC, die Professional Darts Corporation, deren Mitbegründer Philip Douglas Taylor ist, schickt ihre Zugpferde im Rahmen der World Series von Großbritannien über Dubai, Australien, Neuseeland, Las Vergas und selbstverständlich Kontinentaleuropa rund um die Welt. Gewiß schöne, interessante Austragungsorte, aber für Phil ist und bleibt das World Matchplay in Blackpool der absolute Favorit. Andere mögen für den Ally Pally in London schwärmen, vielleicht weil sie sich dort einmal zum Weltmeister krönen lassen wollen. Aber Taylor bevorzugt Blackpool. Wiederum bestätigt sich die Tautologie: Taylor ist Taylor. Er hat seinen eigenen Kopf. Und wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann möchte er es auch umsetzen. Am wichtigsten ist es für ihn zu gewinnen. Das hat ihm sein Vater schon als Kind eingetrichtert und noch mehr Eric Bristow, der fünfmalige Weltmeister und erste Sponsor Taylors. Wenn Taylor in jungen Jahren das Halbfinale bei einem Turnier erreicht hatte, rief er freudig bei Bristow an, um ihm die positive Mitteilung zu machen. Aber wie reagierte Bristow? Er schnitt Taylor das Wort ab und meinte nur, daß er ihn erst wieder anrufen sollte, wenn er gewonnen hätte. Das war Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts.

Was soll man fast dreißig Jahre später noch berichten? Jeder Dartsinteressierte oder Fan kennt die Geschichte. Taylor gewann. Immer wieder. Alle Turniere. Alle neuen Formate, die im Laufe der Zeit erfunden wurden. Er stellte alle Rekorde auf und bestehende ein.

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