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BOMBENWARNUNG

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BOMBENWARNUNG | story.one

So ein Erlebnis in einem Flugzeug braucht man NICHT für sein Leben! Alleine schon die Vorstellung: BOMBE - der man hilflos und tatenlos ausgeliefert ist!

Meinen Eltern ist es in Berlin so passiert, gegen Ende des Krieges! Sie kommen nachhause und da hängt nur noch der Gasofen in der Luft. Alles verbrannt, alles weg...das ganze Hab und Gut, die Wohnung, einfach ALLES!

Indirekt habe ich es als Embryo sicher mitbekommen. Die Sirenen, der Lauf in die Luftschutzkeller, drei Tage verschüttet, dann hochschwanger "evakuiert" nach Bayern mit einem 7 Monate Bauch und einer Handtasche. Das waren meine ersten Gedanken, als der Kapitän mir die Mitteilung machte : Der Tower hat gerade angerufen, wir haben eine BOMBENWARNUNG für die Maschine bekommen.

Wir waren auf dem Flug von Lima nach New York, dort zwei Tage Aufenthalt und dann nach fast drei Wochen endlich wieder nachhause. Er sagte, er werde erst Kerosin ablassen, dabei große Kreise in der Nähe von Lima fliegen und eine Ansage machen, dass wir wegen eines technischen Defekts wieder zurückfliegen müssen.

Anweisung an meine Crew: "Das Wichtigste ist, Ruhe zu bewahren, alles festzurren, sich freundlich den Passagieren widmen und BETEN!" Das Ablassen des Treibstoffs dauerte gefühlt ewig, keiner wusste ja wo sich die Bombe befindet, oder wie und durch was sie gezündet wird. Ziemlich festgekrallt an den Crew Sitz landeten wir und wurden weit weg vom Flughafen Lima , geparkt.

Alle Passagiere mussten geordnet aussteigen und gleichzeitig ihr Gepäck identifizieren. Auch das war ein angespannter Vorgang und etliche der Gäste ahnten, warum sie ihr Gepäck identifizieren mussten. Eine einzig Tasche blieb über, die vorsichtig von Spezialisten weggebracht wurde. Die Crew und alle Passagiere wurden zurück in das Flughafengebäude gebracht.

Da ich den einheimischen Sicherheitsbeamten nicht traute, blieb ich entgegen der Anweisung an Bord. Ich wollte ihnen die versteckten Klappen und Eigenheiten "meines Fliegers" zeigen. Das war nicht heldenhaft oder großkotzig, sondern meiner Zuversicht geschuldet, da mir ein indischer Maharadscha vor Jahren mitgeteilt hatte: Du wirst weit über 80 Jahre alt werden. Damals mit Mitte dreißig noch ewig hin.

Die Peruaner waren dann auch dankbar für meine Hilfe und Gottseidank, nach fast einer Stunde der gründlichen Suche: ENTWARNUNG! keine Bombe in der Kabine. Der Frachtraum war schon durchsucht worden und Erleichterung machte sich allenthalben breit. Die Maschine wurde neu betankt, die Cockpit Crew machten ihre Routine Checks, die Passagiere konnten wieder einsteigen, der Flug nach New York konnte mit 4 stündiger Verspätung fortgesetzt werden.

Die Ansagen vom Kapitän waren sehr professionell und beruhigend und wir von der Kabinen Crew versuchten mit einem exclusiven Service, die angespannten Menschen zu verwöhnen. Dazu leerten wir alle teuren Champagner Flaschen und Spirituosen von der First Class. Der feige Anrufer blieb unerkannt!

© Micaela Hemesath 14.02.2020

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