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IM GEFÄNGNIS IN MEXICO D.F.

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IM GEFÄNGNIS IN MEXICO D.F. | story.one

Das Frachtschiff von Bremerhaven kommend, spuckte uns nach einer ereignisreichen Fahrt über den Atlantik, nach drei Wochen in Vera Cruz aus.

Breitbeinig gingen die 11 Passagiere von Bord. Wir hatten alles erlebt, was man nicht erleben will! Zuerst dachten wir noch bis zu den Azoren: Ist genauso wie über den Chiemsee zu fahren. Bis....

Wenn man gegen die erhöhte Bettkante geschleudert wird, weiß man, es ist starker Seegang. Windstärke 9 wurde mir gesagt. Aha! und "um Gottes Willen"!

Das Ende naht, die Riesenwand aus Wasser wird uns runterdrücken. Unvorstellbar!

Bis auf mich und eine Botschafterin aus Haiti ,stülpten alle ihre Innereien nach außen und waren seekrank. Vielleicht hat mir mein ausgiebiges Achterbahnfahren auf der Wies´n geholfen?

Wie durch ein Wunder haben wir überlebt!

Angekommen in der Hauptstadt, kümmerte ich mich darum, wie lerne ich die Sprache am schnellsten. In einem amerikanischen Institut, die nach der Kindergarten Methode vorgingen. Einfach sprechen, kümmere dich nicht um die Grammatik! Nach 6 Wochen sprach ich besser Spanisch, als nach Jahren der Paukerei Französisch.

Genauso schnell hatte ich einen Verlobten, eine große neue Familie und eine bärbeißige Schwiegermutter in spe.

Einmal die Woche musste ich die zwei kleinen Geschwister, (es waren insgesamt 5 in allen Altersklassen), zur Ballett Stunde fahren. Große Verantwortung mit dem alten "VW Käfer" durch das Gewusel der damals "erst" 6 Millionen Stadt zu fahren. Wer hier fahren kann, kann es weltweit!

Ich hatte sie heil abgeliefert, musste an einer Ampel anhalten, vor mir ein Bus, hinter mir donnerte ein Taxi auf mich drauf. Das Auto war eine Ziehharmonika, ohne mein Verschulden.

Das Dümmste was man in diesem Land machen kann, ist die Polizei zu holen! Der Busfahrer war gleich fortgelaufen, ebenso der Taxifahrer. Ich stand belämmert da und die Polizei nahm mich mit und sperrte mich hinter Gitter.

Ein großer kahler Raum mit einer Bank und sonst nichts. Ein Stück weiter weg konnte ich den großen Schreibtisch mit einem Polizisten dahinter sehen. Meine Proteste, Bitten, meinen "novio" oder die Deutsche Botschaft anrufen zu dürfen - nein!

Es gab kein Wasser, keine Toilette, nichts, nada!

Da kam ein kleiner Mann auf den Schreibtisch zu, zog einen Bündel Geldscheine aus der Tasche und schob sie dem Polizisten rüber. Es war der Besitzer des Busses.

Dasselbe ein paar Stunden später, ich erkannte den Taxifahrer.

Na Bravo! Korruption vom Feinsten. Mein Gerechtigkeits Sinn, meine Wut, meine volle Blase, revoltierten!

Ich brüllte aus Leibeskräften, sie sollen mich gefälligst rauslassen!

Endlich, es war schon abends, durfte ich telefonieren. Kurz darauf die ERLÖSUNG!

Gleiches Prozedere: Geld wurde rübergeschoben und ich durfte endlich gehen mit meinem Retter.

Eine tiefe Wunde ist geblieben. Ich kann Ungerechtigkeiten auf den Tod nicht ausstehen!

Das mit dem Heiraten in diesem wunderschönen Land, muss ich mir noch stark überlegen!

© Micaela Hemesath 30.01.2020

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