NOTLANDUNG

Mit der alten Lady auf Tour. Eine Turboprop Maschine, very British, die VICKERS VISCOUNT.

Sie wurde bei Lufthansa 1970 außer Dienst gestellt und es gab nur ganz wenig Besatzungsmitglieder, die eine gültige Lizenz hatten.

Ich kannte jede Schraube auf dem Flieger, sie war mir ans Herz gewachsen. Riesige ovale Fenster, Flughöhen zum Rausschauen in einer Geschwindigkeit von maximal 560 km/h, höchstens 70 Passagiere. Zwei im Cockpit, zwei hinten.

Die Möglichkeit vorne links zu sitzen, selbst zu fliegen, wurde mir von einem mir "sehr nahen Kapitän", geboten. Nur kurz aber aufregend! (Alles undenkbar in der heutigen Fliegerwelt!)

Ein wunderbare klarer Tag, nicht allzu viele Gäste, der Service war beendet,wir standen kurz vor der Landung in Bremen. Plötzlich wurde ich ins Cockpit gerufen.

Das Fahrwerk lässt sich nicht ausfahren, EMERGENCY!

"Bitte bereitet die Kabine vor".

Der Notfall wird wieder und wieder für alle Flugzeugtypen geübt. Er sitzt und kann im Schlaf abgerufen werden.

Ich informierte meine Kollegin, stellte mich vor alle Passagiere mit dem Mikrofon in der Hand.

"Meine Damen und Herren, wir haben einen Notfall, wir bereiten uns auf eine Notlandung vor. Das Fahrwerk kann nicht ausgefahren werden. Die Feuerwehr hat einen Schaumteppich auf die Landebahn aufgebracht. Bitte folgen sie in Ruhe unseren Anweisungen und nehmen auf Kommando vom Kapitän, diese Sitzposition ein!"

Toll, wie ruhig ich das alles bewerkstelligen konnte. Wir nahmen die Spucktüten und sammelten alle spitzen Gegenstände ein. Brillen, Kugelschreiber, Broschen, Haarnadeln, etc. Alles kam in eine große Mülltüte und wurde in der Toilette verstaut. Die Container in der Galley festzurren, die Overheadbins checken, alle Passagiere kontrollieren auf ihren Sitzplätzen ob das Handgepäck verstaut war, um schnell das Flugzeug verlassen zu können. Tische hochklappen, Sitzgurte checken. Hier und da ein paar beruhigende Worte. Fertig!

Meldung ins Cockpit:" Kabine klar zur Landung!"

Mittlerweile, nach heftigem Hin- und Herschaukeln seitens der Cockpit, war das Fahrgestell zwar rausgeplumpst, aber wir wussten nicht, ob es "gelocked", also eingerastet war. Wir drehten noch ein paar Runden um den Tower, damit die Feuerwehr in Ruhe den Schaumteppich legen konnte und das Bodenpersonal mit allen Vorbereitungen fertig war.

"Fertig zur Landung, bitte Notfallposition einnehmen" tönte es aus dem Cockpit.

Puhh! So ein kleines bisschen Angst hatte ich doch. Alles ging gut, das Fahrwerk knickte nicht weg. Bravo!

Über eine an die Landebahn gefahrene Treppe konnten die Passagiere bequem aussteigen und wir mussten keine Notrutschen ausbringen.

Dankbares Händeschütteln. Auf Wiedersehen!

Eine alte Dame kommentierte das Ganze so: "Na, Froileinchen, wissen denn meine Angehörigen, dass ich zu s-pät komme? (Bremer Dialekt.) Hihi, toll alles richtig gemacht. Wenn das all ihre Sorgen waren bei dieser Aufregung?

Kniezittern bei mir darf jetzt kommen...

© Micaela Hemesath