WEISSWURSTVEGETARIERIN

Rotes Fleisch mochte ich noch nie! Wer einmal, wie ich mit 11 Jahren, im Allgäu auf einem Bauernhof drei Kühe hütete, der war mit Freundinnen unterwegs.

Meine "Geschäftsfrauenmutter" wusste in den großen Ferien nicht wohin mit mir. Also wurde ich mit dem Dienstmädchen in ihr Zuhause geschickt.

Alle mussten mit anpacken. Mir wurden die drei Kühe zugeteilt. Morgens raus zur 15 Minuten entfernte Weide, abends wieder heim. Die Kühe akzeptierten mich sofort, wir trabten ohne Schwierigkeiten los.

Ich schnitzte mir in die Bank von dem primitiven Unterstand ein Mühlespiel, ein paar Steine, fertig. Mittags briet ich manchmal Kartoffeln an einem kleinen Stock. Es war schön, den Kühen beim Fressen zuzuschauen, mir gefiel es. Wer einmal einer Kuh oder einem Kälbchen in die hübschen Augen, mit den langen Wimpern geschaut hat, der kann sie nicht mehr essen.

Meine Mutter als halbe Ungarin kochte IMMER Fleisch. Da hatte ich Pech. Wenn von Salat die Rede war, schaute sie mich nur indigniert an. Bis zum ziemlich gesunden 92 ten Lebensjahr.

In den 50er Jahren nach all den Entbehrungen des Krieges, war Fleisch und Wurst auf den Teller zu bekommen, ein Genuss und Statussymbol.

Wenn ich als Teenager vom Internat am Starnberger See Nachhause kam, stand eine 50 cm große Wurstplatte parat. Die beste Meldung meiner Mutter war: "Iss nicht so viel Brot!" Sie hatte irgendwo gehört, Brot macht dick. Da wir beide das "Ichverwerteallesgen" haben und leicht zunehmen, war das auch mein Motto. Ich wurde ein Wurst Tiger.

Kochen habe ich zwar perfekt gelernt, (eigentlich kann ich es sogar gut) aber das Hausfrauen Leben mit der täglichen Versorgerei ist nicht mein Ding. Hiermit die offizielle Entschuldigung an meine geliebte Tochter: "Sorry für den Herrn Iglo mit den Fertiggerichten!"

Heute bin ich geläutert und seit über 10 Jahren Vegetarierin. Nachdem ich mir das selbst verordnet habe, gibt es ein paar "Ausnähmchen". Im Sommer im Biergarten unter den Schatten spendenden Kastanien, wird es gerne einmal ein Wurstsalat.

Gottseidank gab es sogar damals in den 90ern in Florida einen ausgewanderten deutschen Metzger. Fast zwei Stunden Autofahrt nahmen wir gerne in Kauf, um sofort im Auto auf unserer Kühlkiste die ersten Würstchen zu essen.

Mein amerikanischer Schwiegersohn ist eigentlich ein perfekter Bayer. Er liebt es zu" brotzeiteln" und besucht denselben Metzger, der immer noch in Sarasota ist.

Und IMMER am Neujahrstag müssen es Münchner Weißwürste mit süßem Senf und Brezen sein!

Es wurde ja ein sogar ein Wort für solche hin und wieder Sünder erfunden.

FLEXETARIER

Bei meinem letzten Flug nach Amerika gab ich noch an: Vegetarian Meal.Es war eine Amerikanische Airline.

Pfui Teufel!! eine trockene Scheibe Brot, darauf drei dünne Scheiben Gurke. Keine Sauce, kein anderes Gemüse, nichts!

Mache ich nie wieder! Lieber trockenes Hühnchen stehen lassen und Reis mit Sauce essen!

Jeder versteht halt etwas anderes unter Genuss.

ES LEBE DIE VIELFALT!

© Micaela Hemesath