Der Sommer, in dem es brannte

Kindheitserinnerungen von Urlauben sind im Normalfall immer gut. Urlaube am Strand. Zu Hause. Am See. Als Kind sind Urlaube noch ein großes Abenteuer. Den Stress der Eltern sieht man noch nicht. Die Frage „Wann sind wir endlich da?“ merkst du dir dein Leben lang. So wie ich mir diese Story meines Lebens gemerkt habe.

Reisen Sie mit mir ins Jahr 1991 zurück. Es ist Sommer, die Koffer sind gepackt und der Bus steht bereit. Es geht nach Griechenland. Mein kleiner Bruder ist noch aufgeregter als ich. Da es eine lange Fahrt sein wird, fahren wir bereits in den Nachstunden los. Immer wieder machen wir kleine Pausen. Eine davon sollte sich in mein Gedächtnis brennen.

In den frühen Morgenstunden sehe ich, damals 11 Jahre alt, Rauchschwaden am Himmel. Ich frage meine Eltern, was das sei. Sie meinen nur, dass es so heiß war und wohl der Wald brennt. Sie versuchen mich abzulenken. Als wir jedoch einem Grenzübergang immer näherkommen, bemerke ich, dass es Häuser sind, die brennen. Der Bus hält an. Ein Mann mit einer großen Maschinenpistole steigt ein und kontrolliert uns. Wir sind in Kroatien angekommen. Draußen steigen der Busfahrer und der Reiseleiter aus und geben einem Mann der Grenzwache ein Päckchen. Später stellte sich heraus, dass es sich wohl Schmiergeld handelte. Diese kalte und Angst einflößende Stimmung werde ich nie vergessen.

Nachdem alles gepasst hat, sind wir weitergefahren. In Chalkidike angekommen, erlebe ich einen tollen Urlaub. Schöner Strand und klares Meer. Es gibt oft frische Miesmuscheln aus dem Meer, die mein Vater fängt. Gutes Essen. Unser Apartment liegt zudem genau neben einer griechischen Konditorei. Der Weg von ersten Sock hinunter sollte später zu einer meiner Lieblingsstrecken dieses Urlaubes gehören, in dem sich meine Eltern wohl auch noch zufällig mit dem örtlichen Ortsvorsteher anfreunden und zu einer Feier am Abend eingeladen werden. Weil Griechen lange feiern können, bekommen wir Kinder Münzen für Spieleautomaten, die in einem Lokal neben der Feier stehen. Kurzum: Ein toller Urlaub.

An die Heimreise erinnere ich mich nicht mehr. Sie war wohl wesentlich länger, da wir über Rumänien und Ungarn heimfuhren. Wir waren einer der letzten österreichischen Busse dieses Sommers, die nach Griechenland fuhren. Der Kroatienkrieg war ausgebrochen. Obwohl der Urlaub sicherlich sehr schön war, bleiben mir die brennenden Häuser, die links auf einem Hügel zu sehen waren, immer in Erinnerung.

© Michael Egger