Abenteuer im Oman II

November 1998

Unterwegs auf einer Piste Richtung Süden wurden wir, Tom und ich von einer Gruppe Omanis zum Kaffe eingeladen. Die Leute hier sind sehr gastfreundlich. Ich revanchierte mich mit einem Österreich-Fotobuch das großes Interesse weckte. Englisch sprach hier draussen keiner.

Mittags knallte uns ein großer Vogel gegen die Windschutzscheibe. Das gab mir zu denken...

Einige km weiter bemerkten wir ein auf dem Dach liegendes Auto, eine Gruppe wild gestikulierende Männer und eine im Sand liegende Gestalt. Obwohl schon vorbei, beschlossen wir umzukehren und zu helfen. Der ungeschützt, bewußtlos am Boden liegende Mann war scheinbar ein pakistanischer Gastarbeiter. Außer etwas Blut im Gesicht konnten wir keine äußeren Verletzungen feststellen. Ich versuchte ihm etwas Wasser einzuflössen und ihn munter zu bekommen - was misslang. Was tun, Telefon gab es nicht - Rettungsdienst auch nicht und die umstehenden Omanis machten nicht den Eindruck wirklich helfen zu können. So bedeuteten wir ihnen mit Gebärden dass der Verletzte ins Krankenhaus müsse und ihn jemand fahren solle. Letztendlich wurde ein Lieferwagen gestoppt, der ihn ins Spital nach Nizwa bringen sollte, ca. 100km von hier. Es wurde eine Decke organisiert und wir hoben ihn damit auf die Ladefläche des Kleinlasters auf der bereits ein ca. 3m langer, riesiger Hammerhai lag der unglaublich stank und von vielen Fliegen umschwärmt wurde. Der arme Kerl kam mit dem Kopf ziemlich genau neben dem Kopf des Hais zu liegen....

Wir haben nie erfahren wie es ihm weiter ergangen ist und wollten uns den Schock nicht vorstellen den wir wohl erlebt hätten, aufzuwachen und einem Hammerhai ins Maul zu schauen.

Nach diesem aufregenden Zwischenstopp wollten wir weg von hier und irgendwo an der Küste nächtigen.

Die Piste führte am Rande der Wahiba-Wüste entlang durch einen Ort Namens Khaluf, dessen Bewohner uns abweisend und unfreundlich erschienen, ganz im Gegensatz zu den bisherigen Kontakten mit ausnahmslos sehr freundlichen Omanis. So ließen wir Khaluf schnell hinter uns um zur Küste zu gelangen. Nach ca. 10km auf sehr schlechter Piste und reinem Sandgelände gerieten wir mit dem Leih-Pajero aus Dubai (Fahrten in die Wüste nicht erlaubt) in eine lockere Sandmulde und gruben uns bis zu den Achsen ein. Bis kurz vor Sonnenuntergang versuchten wir uns frei zu schaufeln und mit den provisorischen Sandblechen los zu kommen - aber erfolglos.

Wir hatten genügend Wasser und Proviant mit. So stellten wir unser Zelt auf, kochten Abendessen und spielten ein paar Partien Schach zur Beruhigung. 2 Flaschen ca. 37 Grad warmes Bier (im Oman damals sehr schwierig zu organisieren) tranken wir mit großem Genuss bevor wir uns zu einem unruhigen Schlaf hinlegten und noch lange überlegten wie wir wohl von hier wegkommen würden.

© Michael Schober