Schlange im Duschraum

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Schlange im Duschraum | story.one

November 1995

Wir, eine bunt zusammengewürfelte kleine, internationale Reisegruppe waren schon seit einigen Tagen, mit einem Geländebus, von Johannesburg kommend unterwegs.

Die ersten Tage in der Kalahari und in Namibia waren heiss, schön und haben mich durch die unglaubliche Weite und Wildheit der Landschaft schwer beeindruckt. Genächtigt wurde in 2-Personen Zelten in der Wildnis, oder auf Campingplätzen. Das abendliche Lagerfeuer und Zubereiten der Hauptmahlzeit, durch Andree unseren namibischen Guide war ein willkommenes Tageshighlight. Auf den Tisch kam meist unterwegs eingekauftes Fleisch von Wildtieren wie Gazelle. Nachher wurde der einzige Kochkessel, aufwendig sauber geschrubbt. Mit ein paar Bechern Wein aus dem mitgeführten Tetrapack wurde der Reisetag beschlossen. Noch ein Blick zum unglaublich, großartigen Sternenhimmel aus dem das Kreuz des Südens hervorstach und eine kurze Nacht im Zelt, oder auf dem Wagendach konnte beginnen.

So sollte es auch heute sein, als wir am späteren Nachmittag im Daan Viljooen Wildpark unser Lager aufschlugen. Der Platz war wunderschön unter Bäumen, auf denen Horden von Affen herumturnten. Dass man sein Zelt verschließen sollte wurde uns gesagt. Wir waren von diesem Rat überzeugt als bereits nach kurzer Zeit ein Pavian mit dem BH einer Reisegefährtin, den er aus einem Zelt entwendet hatte im Blätterdach verschwand...

Auch heute saßen wir wieder rund ums Feuer und genossen den Abend. Als ich nachher in den nahe von unserem Zelt gelegenen Waschraum zum Zähneputzen gehen wollte rief mir Andree, ich solle ihm mit meiner Taschenlampe behilflich sein, da sich eine Schlange darin befände. Nun ich kam mit einer Taschenlampe, um ihm zu assistieren, wie er mit einem Zeltgestänge versuchte die ca. 2.5m lange Giftschlange (vermutlich Mamba) zwischen Türblatt und Türstock heraus zu kitzeln. Ich leuchtete ihm, während er daran arbeitete das Tier zum Rückzug oder zur Flucht zu bewegen. Ich hab mich selten so gefürchtet als während dieser Aktion. Die Schlange war ca. bis zu einem Meter außerhalb des Türspalts, der Rest war drinnen. Letztendlich zog sich die Schlange in den Duschraum zurück, was mich kurzfristig erleichterte. Andree hängte einen Zettel an die Tür, dass man die Dusche aufgrund der darin befindlichen Schlange nicht benutzen solle. Ein Fenster wurde von außen geöffnet.

Ziemlich zittrig ging ich zu meinem Zelt, das ich mit Simon aus Birmingham teilte und erzählte ihm von dem Vorfall. Eigentlich hätten wir jetzt beruhigt schlafen sollen. Leider war genau heute der Zeltreißverschluß ausgerissen und nicht mehr zu reparieren. Mit ein paar Sicherheitsnadeln halfen wir uns provisorisch ab. Viel zum Schlafen bin ich in dieser Nacht nicht gekommen...

Morgens war die Schlange weg. In der Nacht aus dem Duschraum gekrochen....

Dankbar, diesen Vorfall heil überstanden zu haben fuhren wir noch 2 Wochen durch das wunderschöne, wilde Namibia.

© Michael Schober 11.04.2019