Weinsuche in der Wüste...

April 1997. Wir, Helmut, sein Hund Sarah und ich waren schon einige Tage mit einem Geländewagen und Dachzelt in der südlichen, wüstenähnlichen Gegend Marokkos unterwegs und hatten vor den 130km breiten, ausgetrockneten Salzsee Lak Irike zu durchfahren.

Bereits gestern war uns der spanische Rotwein ausgegangen den wir gern zum Tagesausklang am abendlichen Lagerfeuer tranken. Die Chance auf dieser Strecke Wein zu bekommen war gleich null. Nachdem wir uns heute schon einmal ausgebuddelt hatten und nur mit Hilfe der Sandbleche weiterkamen erfreute uns die Aussicht auf einen weinlosen Abend nicht besonders. Aus heiterem Himmel meinte ich zu Helmut, dass ich mir sicher sei heute noch einen Weinhändler zu treffen, was zu verständnislosem Brummen führte. Nachdem ich diese unsinnige Behauptung noch ein paar Mal wiederholt hatte und die Umgebung auf dem Salzsee mehr als trostlos war hielt ich es für besser zu schweigen um die Stimmung nicht noch zu verschlechtern.

Nach Stunden staubiger Fahrt bei großer Hitze bemerkte ich in der Ferne ein blaues Gebilde. Mit dem Gucker erkannten wir ein Sonnensegel, neben einem Wagen. Wir entschieden uns das näher anzusehen. Ich vermutete den ersehnten Weinhändler und lag gar nicht so falsch damit. Kurzum es handelte sich um 3 Spanier die wir bereits am Vortag getroffen hatten und bei deren Discovery die Kupplung defekt war. Sie warteten seit gestern auf Hilfe und waren schon ziemlich deprimiert. Als Zeichen Ihrer Freude holten sie eine Flasche besten spanischen Riocha aus dem Wagen, und baten uns sie abzuschleppen. Nach kurzer Überlegung wie wir das anstellen sollten entschlossen wir uns zu helfen und eine mühsame Abschlepptour über unwegsamstes Gelände und auf kaum erkennbarer Piste konnte beginnen. Nach einigen Stunden Plackerei, mehrmaligem Riss des 3cm dicken Seils und Orientierungsproblemen erreichten wir die Oase Oum Sala. Hier verbrachten wir einen sehr netten Abend mit unseren neuen Freunden Antonio, Horacio und Dacil. Es wurde sehr spät, da stundenlang Eintopf gekocht wurde und reichlich Wein vorhanden war. Dazu gesellten sich noch 2 Sahauris die uns mit einer endlosen Teezeremonie beglückten. Keiner sprach die Sprache des anderen, aber wir unterhielten uns bestens. Alles in allem ein toller Tag für den ich dankbar bin.

Nach kurzer Nacht ging die Abschleppfahrt mit Hindernissen weiter, bis wir am Abend im Ort Zagora ankamen wo es eine Autowerkstätte und auch ein Hotel gab. Unsere Freunde luden uns ins Hotel zum Abendessen, welch Unterschied zu gestern - aber schöner war's am Lagerfeuer und baten uns auch im Hotel zu übernachten, was wir aber ablehnten. Zurück bei unserem Wagen bemerkten wir, dass ich beide Autoschlüssel im Wagen deponiert hatte..

Es blieb uns nichts anderes übrig als mit meinem Taschenmesser (immer dabei) die Heckscheibe rauszuschneiden um endlich in tiefen Schlaf fallen zu dürfen.

Am nächsten Morgen trennten wir uns. Zu Dacil besteht bis heute Kontakt.

© Michael Schober