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Dubrovniks Maler Fürst & Dandy I./07

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Dubrovniks Maler Fürst & Dandy       I./07 | story.one

Wir trafen uns stets an der kleinen Mauer des breiten Türfensters des Weinlokals "Ragusa" in der Altstadt Dubrovniks. Er, Milovan, der allseits anerkannte Maler liebte Rituale, besuchte meist dieselben Orte und beliebte dort "Hof zu halten". Wenn er nicht erschien, war er in Omis, seiner Geburtsstadt, in Zagreb, Belgrad oder in Amerika. Seine Freunde fanden ihn immer ungefähr um sechs Uhr an "seiner" Mauer, "Zidic" genannt. Dort verbrachten wir einige Zeit, bis Milovan entschied, wo er den langen Abend und vor allem mit wem verbringen wollte. Gelegentlich verteilte er noch einige Aufgaben, da er zu korpulent und zu bequem war alles alleine zu organisieren. Mir, seinem Namensvetter, rief er oft zu:"Geh bitte hinüber ins "Neptun" und reserviere einen großen Tisch, aber auf der seeseitigen Terrasse"! Allmählich hinüber schreitend und mit allen, die er traf, kurz zu "parlieren", traf die illustre Gruppe gegen neuen Uhr zum üppigen "Diner" ein. Der devote Wirt begrüßte ihn und dann erst die muntere "Entourage". Der Abend und die frühe Nacht waren ein bacchantisches Fest, das sich an verschieden Plätzen mit immer anderen Gästen wiederholte. Sein treuer "Chauffeur" Tonko, der ebenso wie wir aus Omis kam, fuhr ihn gelegentlich mit seinem betagten Jeep von Ort zu Ort oder "Nachhause", wo immer das jeweils war. Manchmal trug es sich zu, das Milovan und sein "Adjutant" die Zeche nicht beglichen. Schnell brachte man "Ihrer Gnaden" die stets irgendwo vorbereiteten Papierbögen und Farbetuis. Konzentriert, aber dennoch wortgewaltig kommentierend malte er den eilig überredeten Wirt oder einen prominenten Gast, dem Tonko raffiniert versicherte diese einmalige Gelegenheit nicht vermissen zu dürfen. Das fertige Bild überraschte alle, das Essen war bezahlt und die Stadt um eine wunderbare Anekdote reicher. Eines Tages entwarf Milovan einige bunte Skizzen seines "Dieners" und versprach das Werk in seinem Atelier zügig zu vollenden. Tonko freute sich und war bald darauf über das "Œuvre" mehr als überrascht. Sein markiges und bedächtig wirkendes Porträt erinnerte an die Farbe eines jungen Frosches. Auf die drängende Frage, wieso, erwiderte Milovan im Sinne eines echten Freunds:"Du erscheinst traurig, einsam und grünlich. Verfüg dich zum Strand in die Sonne und suche dir eine hübsche Muse", dann male ich deinen Charakter und dich wieder! Ob er sich diesen Rat zu Herzen nahm wissen nur die Götter. Das mittlerweile wertvolle Bild hängt noch in seinem Schlafzimmer in Omis, in dem mir noch nie ein Doppelbett auffiel. Einige Wochen darauf residierte Milovan wieder in seinem Stammcafé "Il Torre" in unserem Omis - Stories & Buch. Mit einem farbenprächtigen Seidenhemd und wallenden Schalls bekleidet unterhielt er seine Gäste und genoss den alten Portwein, hier "Prosek" genannt, während die rötliche Sonne sich zur Ruhe begab. Am nächsten Tag begleitete er uns nach Bayern, um kurz danach in die USA zu fliegen, wo er gerne überwinterte.

© Michael Stanic 01.12.2019

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