Grenzen setzen

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Grenzen setzen | story.one

Per WhatsApp erreicht mich kurz vor einem eigenen Vortrag ein Video. Ich fliege darüber, kann es nicht ganz deuten und werde es mir später nochmals in Ruhe ansehen. Bundeskanzler Kurz spricht in einer Rede über das ´Europa ohne Grenzen nach innen´, dass es bald Geschichte sein kann und plädiert für einen funktionierenden Außengrenzschutz. Es werden offensichtlich Menschen missbraucht, um dem Kern zu schaden, der Gemeinschaft, die aus Vertrauen zu sich und der Menschheit die inneren Grenzen geöffnet hat.

In mir kommen Vergleiche und Bilder hoch. Gerade eben, weil das Thema Grenzen auch das eigene, ganz persönliche ist. So schließe ich nun vom Kleinen aufs Große und umgekehrt, weil einfach jeder Mensch ein Teil dieser Gesamtheit ist. Auch wenn das viele Erdenbürger einfach nicht wahrhaben wollen und ihr Bewusstsein höchstens von der Couch bis zum nachrichtenspendenden Fernsehgerät reicht. Meinung ist dann gleich Gesehenem und Gehörtem. Bildung ist vorwiegend übernommen und trifft auf angstgeprägte Muster, die sich bestätigend im Gehirn an Stoff erfreuen, wo sie andocken können. Jeder Mehraufwand der hinterfragenden Meinungsbildung kostet Energie und wird ausgemistet.

Doch diese Nachricht, welche eine der wenigen dieser Woche war, die ich bewusst konsumierte, traf auf eine bestimmte Wahrheit in mir. Denn Tage davor, in einem Zustand von Krankheit und absoluter Erschöpfung dachte ich daran, wann ich Grenzen bekam und warum ich die eigenen immer wieder überschreite. Auch heute noch, obwohl Achtsamkeit sogar zur Passion wurde. Als Antwort kam, dass es keine gesunden Grenzen in meiner Jugend gab. Wenn, dann regierte Verbot oder Gewalt. Äußerst schlechte Parameter als Lernerfahrung. Als Resultat entstand eine Tendenz zur Übertreibung in allen Lebensbereichen.

Somit wurde von mir selbst meine heilige Schutzhülle immer öfter torpediert, so oft und so lange, dass sich die Grenze zurückzog, statt sich auszudehnen. Die Komfortzone wurde zwar erweitert, doch so stark, sodaß Panik nicht mehr weit bzw. plötzlich da war. Das logische Ergebnis daraus ist eine Hochsensibilität, die somit viel und oft ohne dieser recht praktischen Barriere wahrnimmt und entscheidet.

Wem schadet das? Natürlich mir selbst am meisten. Denn so können Energieräuber und Fremdenergien viel leichter ins System marschieren und dort das ihrige verbreiten. Das spüre ich, lasse ich jedoch nicht zu. Meistens gelingt es mir. Manchmal bemerke ich es erst später. Das Thema ist komplex und spannend.

Bleibe ich nun Opfer dieser geschichtlichen Errungenschaft? Nein, das hilft niemandem. Die politische Warnung ist berechtigt. Denn es obliegt nur mir selbst, diese Gabe als Geschenk anzunehmen, dafür zu sorgen, dass klare und ehrliche Grenzen nach Außen ein Lebensmotto sind und dass ich gerade deswegen nach Erfahrungen suche, die mich weiterbringen. Sich hinter eingebrochenen Grenzen verängstigt zu verstecken ist der falsche Weg.

© Michael Stary 07.03.2020