Die Trauer der Verbundenheit

"Das alles wird vergehen", denke ich mir, während ich in ihre pechschwarzen Augen schaue. Sie fesselt mich immer wieder mit ihrem Blick. Die Menschen sagen, man solle den Augenblick genießen. Und vielleicht sind ihre Augen der Grund für die Existenz dieses Satz.

Sie muss kein einziges Wort sagen, damit alles gesagt ist. Ein Blinzeln von ihr und Welten entstehen. Ein weiteres Blinzeln und diese Welten vergehen. Ich fühle eine tiefe Verbundenheit, als würde eine unsichtbare Schnur uns seit Anbeginn der Zeit miteinander verbinden. Und doch empfinde ich in diesem einen Moment, in der die Zeit still zu stehen scheint, auch das Ende dieser Zeit.

Es ist ein verwirrender Zustand, der mich heimsucht. Tiefe Verbundenheit vermischt sich mit tiefer Trauer. Irgendwann, das weiß ich, wird dieser Augenblick und mit ihm ihr Augenblick sterben. Und ich verliere mich immer weiter in diesen pechschwarzen Augen. Je tiefer ich versinke, desto trauriger fühle ich mich. Ich habe Angst vor dem Tag, an dem ich mich nicht mehr in ihren Augen verliere. Weil es der Tag sein wird, an dem ich mich selbst verliere.

Ich verstehe das alles nicht. Wie kann ich in einem solch wunderbaren Moment, eine solche Trauer empfinden? Ich blicke noch tiefer in ihre Augen und in mir vereinigt sich die höchste Höhe mit der tiefsten Tiefe. Es ist das wunderschönste Chaos, das ich je empfunden habe. Und dieses Chaos wird enden und der Schmerz wird bleiben.

Ich will das alles nicht. Ich spüre einen Stein im Hals, schlucke spürbar, vielleicht auch hörbar. Ich strenge mich an, meine Tränen zurückzuhalten. Ich spüre in diesem Moment, der nicht zu vergehen scheint, die Vergänglichkeit von allem. Vor allem von ihr. Und mir. Und dann lächelt sie.

Und mir wird klar, dass ich ohne die tiefste Tiefe in mir, sie, die höchste Höhe, nicht lieben und schätzen könnte. Dass in der schönsten Verbundenheit auch die schlimmste Trennung liegt. Und dass ich alles hergeben würde für diesen und ihren Augenblick.

© Michael