Nichts gelernt im Inselparadies

August 2015. Vier Personen, Musterbeispiele der Spätadoleszenz, erfahren über grenzwertig vertrauliche Quellen, dass sich zwei kindisch streitende Nationen endlich näher kommen wollen. Der Kapitalismus macht vor dem Kommunismus einen Kniefall oder vielleicht auch umgekehrt - Je nachdem wen man fragt.

Der Aufstieg einer neuen Ära, bedeutet der Fall einer alten. Eine Ära der Abschottung, die vom Grundgedanken an Absurdität nicht zu überbieten ist. Doch der Retro-Hipster sieht vor allem eins. Alte Autos.

Auch wenn der Gedanke opportunistisch motiviert ist, ist er doch legitim. Wo sonst kann man dem Lebensgefühl der Vergangenheit näher kommen, als in einem Land, dass seit über 50 Jahren in der Zeit stehen geblieben ist.

Wir hatten ja keine Ahnung.

In Kuba gibt es zwei Währungen um eine Destabilisierung durch kaufkräftige Ausländer zu verhindern, aber nicht nur das. Die Infrastruktur basiert praktisch auf einem Zweiklassensystem.

Wir versuchten auf das Inselparadies Cayo Coco zu reisen. Eine Region die hauptsächlich von Pauschalreisetouristen besucht wird, die direkt angeflogen kommen - Wir haben den "kubanischen Weg" ausgewählt.

Im Morgengrauen ging es los. Ein Bus aus Morón nimmt uns auf. Mit einem kleinen Block bewaffnet, in dem nicht mehr als 20 spanische Sätze niedergeschrieben sind, verhandeln wir mit dem Busfahrer um den Fahrpreis. Wir zahlen zehn Mal mehr als Einheimische, also knapp über einen Euro. Wir wissen, dass er uns nicht mitnehmen darf, also akzeptieren wir den Preis ohne Widerrede. Aber wir haben es geschafft und sitzen voller Vorfreude in dem durch die Landschaft rollenden Bus.

Bis er auf einmal stehen bleibt.

Der Busfahrer trabt verschwitzt auf uns zu. In der Hand das Geld, das wir ihm vorab gegeben haben. Er versucht sich zu erklären. Leider sprengte das aber die Kompetenzen unseres bescheidenen Blocks. Er drückt uns die paar Münzen in die Hand und eilt zurück in die Fahrerkabine.

Und dann kommen sie.

Zwei Soldaten, bewaffnet mit AKM-Sturmgewehren. Die Bewaffnung unsererseits, ein kleiner bescheidener Block, war absolut unterlegen. Wir sprechen kein spanisch, aber die zwei Soldaten haben wir sofort verstanden:

"Sofort raus!"

Wir werden "hinausbegleitet". Der Bus fährt ab. Rund um uns nur Pampa und Soldaten. Nach einer Stunde will ich mich setzen. Mit vorgehaltener Waffe wird mir gedeutet, dass ich das nicht dürfte.

Wir erreichen einen Übersetzter - Man erlaube uns mit einem Taxi zu verschwinden. Wir haben gerade genug für die Überfahrt auf die Insel. Fast im Paradies angekommen lässt uns jeder noch so schicke Wagen stehen. Ausgerechnet mit dem Traktor bewegen wir uns weiter.

Die Sonne geht unter und nach Stunden ohne Wasser und Essen erreichen wir ein Spa, das eigentlich schon schließt. Man versorgt uns. Man ist verwundert wie wir es überhaupt dort hin geschafft haben. Und dann geht es auch schon wieder zurück nach Morón.

Mit dem Bus für Einheimische.

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