Am Lagerfeuer

Es war Wochenende, meine Eltern gönnten sich nach einer Durststrecke der Kapriolen meinerseits mal wieder ein paar Tage für sich, fern von jenem Jungen, der nur Blödsinn verzapfte. Der Freitag verlief ruhig, ich schaute Fernsehen, aß Chips und befeuerte den Brennofen mit allem was durch die Lucke passte. Am darauffolgenden Tag kam ich auf die Idee, ein Lagerfeuer zu machen. Ich hatte schon diverse in die Umsetzung gebracht, manche größer als andere, aber alle waren klasse. Das war eine tolle Idee und so sammelte ich Holz zusammen, schichtete es auf einen Haufen und legte in einem Kreis ringsum Steine, zur Sicherheit, damit das Brennholz nicht auf den weiteren Rasen übergriff. Gerade als ich im Begriff war, das Holz anzuzünden, begann es zu regnen. Das machte mich traurig, hatte ich mich doch schon so sehr auf ein rasselndes Lagerfeuer gefreut. Bedrückt räumte ich die Steine und das Holz wieder weg und saß unter der Loggia auf der rückwärtigen Seite des Hauses und betrachtete den Regen. Dieser gemeine Kerl hatte mir die Laune verhagelt, aber Moment mal, ich könnte doch auch unter diesem Dach das Lagerfeuer machen. Immerhin liegen hier Steinfliesen, so dass ich nicht den Rasen ein zweites Mal ausstechen muss, für die Steine ringsum. Gesagt getan, aber der Wind machte mir einen Strich durch die Rechnung, denn dieser blies den Regen bis an die Hauswand.

Da saß ich nun auf der Sandkaste, ganz hinten am Ende der Loggia und grübelte, wie ich doch noch zu meinem Lagerfeuer kam und dann machte es sprichwörtlich klick im Kopf. Warum war ich da nicht früher drauf gekommen?

Nur Minuten später saß ich in meinem Kinderzimmer, schnitt kreisrund den Teppich aus, legte die Steine im Kreis an und stapelte das Holz in die Mitte dessen. Ich öffnete das Fenster, denn der Rauch sollte ja nicht das Zimmer zu qualmen und zündete das Holz an. Man war ich klasse. Das Lagerfeuer war der Hit. Dank dessen das es im Hause war, hatte ich ein Dach über dem Kopf und so war mir der Regen nun nicht mehr im Weg. Ich holte mir aus dem Kühlschrank ein paar Würstchen, piekte ein spitzes Holzstück hinein und hielt es über das Lagerfeuer. Das war Abenteuer pur. Ich strahlte über das ganze Gesicht ob der Tatsache, dass ich so genial war, das Ganze nach drinnen zu verlegen. Da hätte ich auch früher drauf kommen können.

Plötzlich hörte ich Geräusche von der Eingangstür her. Kurz darauf sagte meine Mutter: "Das riecht, als wenn jemand grillt und so nah!" Mein Vater entgegnete ihr nur: "Na wer wird denn bei Regen grillen, da gehen doch die Flammen aus." Darauf sagte meine Mutter: "Ich hab da so einen Verdacht." Es dauerte nicht lange und sie kam den Flur herunter, der zu meinem Kinderzimmer führte, öffnete die Tür und erschrak. "Hiillffee, bist du von allen guten Geistern verlassen Mirco, du kannst doch hier nicht ein Lagerfeuer im Zimmer machen!!!!" Ich sagte darauf nur: "Aber draußen regnet es, wie soll ich da die Würstchen grillen? Ich hab zur Sicherheit auch den Teppich ausgeschnitten."

© Mirco von Maydell