Am Steinhuder Meer

Ich kann mich noch erinnern, wie ich damals mit meinen Eltern zum Steinhuder Meer gefahren bin. Jenem großen See, der so groß und gewaltig ist, dass darauf viele Boote und Kähne ihr Unwesen treiben. Inmitten des Meeres, gibt es eine Insel, auf die täglich und vor allem im Sommer, Tausende von Menschen strömen. Alle wollen auf die Insel, Land inmitten dieser großen Wassermassen. Ja wahrlich, wo gibt es sonst noch Land, richtig, ringsum das Meer und weit darüber hinaus. Aber sei es drum, man möchte zu jenen gehören, die sagen können: "Ja ich war schon am Steinhuder Meer und ich war sogar auf der Insel inmitten des Meeres." Das macht was her nicht wahr? Ja ich war auch schon ein paar mal auf der Insel, bin mit einem Tretboot drum herum gefahren, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden. Heute geht es darum, was klein Mirco trieb, als er das erste Mal an diesem Meer Nähe Hannover trieb.

Wie es manchmal im Leben eines jungen Mannes(eines Kindes) vorkommt, muss man dringend zum Klo und das natürlich dann, wenn es am Unpassendsten ist. Kaum hatte mein Vater das Auto am Rand des Meeres geparkt, sprang ich auch schon raus und flitzte wie der Teufel in Richtung Toilette, die auf der anderen Seite des Parkplatzes gelegen war. Hier angekommen, verschnaufte ich mich erstmal, holte tief Luft und ging ran an diese hübsche vertikale Regenrinne und erleichterte mich. Kurz darauf stand ich am Waschbecken und sah vorne beim Eingang eine kleine Schale mit Geld darin, die auf einem Tisch stand. Dahinter stand ein Stuhl. Bei näherer Betrachtung stellte ich fest, dass in der Schale etwa 3,50 Mark lagen, was für einen Bengel wie ich einer war, ein Haufen Geld darstellte. Kaum das ich an der Schale gekramt hatte, kam ein Mann herein und legte weitere 50 Pfennig in die Schale. Ich schaute etwas bedröppelt und verwirrt um mich und stellte fest, es lohnt sich vielleicht, hier sitzen zu bleiben. Es folgten weitere Männer und jeder legte brav Geld in die Schale. Irgendwann sagte ein Mann, ich solle das Geld auch mal rausnehmen, sonst legt keiner mehr was rein. Ich tat was dieser sagte und siehe da, das Geld sprudelte wieder und der kleine Mirco lächelte wie ein Honigkuchenpferd.

Einzig mein Vater war verwundert, wo ich denn bleiben würde. Nicht das er sich Sorgen machte, kannte er mich ja schon als einen Lausbub, der dem Michel aus Lönneberga aber locker das Wasser reichen konnte. Schließlich kam er dann doch zur Toilette, sah mich da sitzen und blickte mich verwundert an und sagte: "Los jetzt Mirco, sitz da nicht rum, sondern komm, wir wollen weiter." Wieder zurück am Auto schaute meine Mutter mich verwirrt an und sagte: "Was hast du da solange gemacht? So lange pinkelt keiner, nicht mal du!" Darauf sagte ich ganz trocken: "Mama, da wird man bezahlt, wenn man auf dem Stuhl sitzt!" Meine Mutter traute ihren Ohren nicht. "Echt jetzt, du hast der Klofrau das Geld abgenommen?" Ich war betroffen, wusste ich doch nun, dass es eine Frau gab, die dort wohnte.

© Mirco von Maydell