Angeln

Früher, damals, wie man es auch dreht und wendet, es ist schon eine Weile her. Ich liebte es mit meiner Angel loszuziehen, Würmer zu suchen, sie an den Haken zu hängen, auf das sie alsbald fette Beute aus dem Wasser holen, in Form eines saftigen Fisches. Auch an diesem besagten Tag, war ich unterwegs. Gleich nach der Schule schnappte ich mir meine grüne Angel, den Angelkasten und zog los in Richtung Yachthafen.

Die Sonne blendete ein wenig, doch das hielt mich, den Angler, nicht ab. Ringsum war niemand, nur Möwen in luftiger Höhe über mir, die kreischten. Es war ein Gefühl von Freiheit. Wind strich mir um die Nase und das Wasser war leicht aufgeraut. Ich schnappte mir einen Wurm, präparierte ihn an den Haken, holte aus und zack, war der Köder bereits auf der Jagd. Heute war ich allein, doch das sollte sich ändern, denn mein guter Freund Hendrik gesellte sich zu mir. Auch er, mit seiner Angel bestückt, tat es mir nach. Petri heil, rief er mir zu und ich fühlte mich wie ein König, der auf die Treue seiner Untergebenen hoffte, die ihm Waren als Obolus pfeil boten, dafür, dass sie in seinem Land leben durften. Was sich tat, war hingegen nichts. Stunde um Stunde verstrich und wir verstanden, ein Stuhl wäre von Vorteil gewesen.

Hendrik kam auf die Idee zu blinkern. Gesagt getan, wechselte er den Köder und hängte seinen Blinker an, bestückte diesen mit Würmern und schon gings los. Haken ins Wasser, von links nach rechts und wieder zurück. Ein tolles Schauspiel war das. Ich blieb beim regulären angeln, sah das was Hendrik dort vollführte doch aus wie Sport.

Was ich auch tat, Fische bissen nicht an, also holte ich den Haken ein, überdachte meine Strategie und entfernte den Wurm. Stattdessen dachte ich mir, warum eigentlich einen Wurm verschwenden, ich angel einfach ohne, riss den Arm ganz weit nach hinten, holte weit aus und zack, warf ich aus. Nun, war ich guter Dinger, jetzt beißen sie, sagte ich noch zu Hendrik, doch dieser winkte nur mit den Armen, was ich gar nicht verstand. Mit geschlossenen Augen, der Sonne im Gesicht und dem Wind in den Haaren genoss ich diesen Moment, wo alles um mich herum still zu sein vermochte. Wenig später besah ich den Yachthafen, mit seinen Booten, den Stegen dazwischen, sowie hinten am Ende dessen, die Schleuse. Mein Blick fiel auf das Wasser vor mir, wo ich vermeintlich den Haken hingeworfen hatte, doch was trieb da? Es wirkte wie ein Rucksack, direkt in Reichweite meiner Angelrute. Schnell versuchte ich mit dieser die Tasche zu angeln, wer weiß, vielleicht war ja etwas Wertvolles darin. Hendrik verdrehte die Augen und schüttelte den Kopf. Mir war das einerlei, da ich es schaffte, der Rucksack war am Haken. Schnell holte ich ihn ein und besah das gute Stück. Er kam mir irgendwie bekannt vor. Ein Blick hinter mich ließ mich schaudern, denn es war meiner. Wie kam der bitte aufs Wasser? Hendrik kam zu mir und sagte nur: Mirco, vorhin, als du soweit nach hinten ausgeholt hast, hast du deinen Rucksack angehakt und ins Wasser geworfen. Au backe.

© Mirco von Maydell