Das Wlan Kabel

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Das Wlan Kabel | story.one

Ein Tag im Leben eines Autors. Schon in der Früh, der Morgen bricht gerade an, kletter ich aus dem Bett und nehme Platz an meinen Schreibtisch. Der Tag erwacht, der Künstler mit ihm. Heute steht ein neues Kapitel auf der To-do-Liste, wovon, ja das bleibt abzuwarten. Eigentlich, so habe ich es mir vorgenommen, schreibe ich an meinem Roman, doch der will nicht so recht, wie ich es will und so bricht aus mir und meinem Stift heraus, eine ganz andere Geschichte. Genau diese Geschichte könnt ihr hier jetzt live mitlesen, denn ich lasse dem Stift freien Lauf und schaue zu, was er zu erzeugen vermag.

Vor vielen Monden war ich unterwegs nach Österreich. In Passau machte ich Station, denn dort lebte ein Freund von mir. Er zeigte mir die Altstadt, die Burg am Hang, sowie das gut bürgerliche Essen hier. Der Fluss führte so manches Treibgut mit sich, was mich in Erinnerungen schwelgen ließ. Nur Augenblicke später gab er mir zu verstehen, dass er mich in einer kleinen Pension ganz in der Nähe einquartiert hatte. Dahin fuhren wir sogleich und kaum angekommen, packte ich meinen Koffer ins Zimmer, ließ mich aufs Bett fallen und war erfüllt von der Stille des Ortes. Kurz darauf fragte ich mich, ob diese in die Jahre gekommene Pension wohl über Internet verfügte, weshalb ich mich vom Bett schwang und runter in die Wirtsstube. Am Empfang angekommen, erfragte ich nach der gewünschten Vernetzung und wurde ganz bleich bei der Antwort. Die Wirtin, eine liebevolle Frau so um die siebzig Jahre, rief nach hinten in die Küche zu ihrem Mann: Alfons, bring mal das Wlan Kabel mit, der jungen Mann wünscht sich mit der Welt zu verbinden. Der Farbe beraubt stand ich mit offenem Mund da und erwartete eigentlich nichts, denn laut meinem Verständnis ist ein Wlan Kabel nicht existent. Doch ich wurde eines besseren belehrt und nur Augenblicke später, lag selbiges auf dem Tresen und ich war um eine Entdeckung reicher. Voller staunen über diese moderne Technik schaute ich die Wirtin mit einem großen Fragezeichen an und wollte gerade ein Wort á la "Hä?" formen, da ergriff sie das Wort und sagte: "Ihr Preußen kennt euch aus was? Pah, ich seh schon, mit moderner Technik seits ihr nicht so gut zu Fuß!" Wortlos nahm ich das Kabel vom Tresen und entfernte mich in Richtung Zimmer. Hier angekommen, ließ ich mich erneut aufs Bett sinken und verfiel in schallendes Gelächter. Ein kabelloses Kabel hab ich erhalten. Das war schon ein Augenöffner der besonderen Art. Der Tag konnte nur noch ein Knüller werden und genauso kam es, doch das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

© Mirco von Maydell 31.08.2019