Der Liftboy

Man war das eine Feier. Ich war auf der Hochzeit eines guten Freundes von mir und da ging es hoch her. Wir haben, wie man es so schön sagt, fleißig gebechert. So völlig angetrunken, torkelte ich dann auch den Rückweg zum Hotel und machte 10, wenn nicht gar 100 Kreuze, als das Bett mich empfing. Die Feier war klasse, die Gäste toll, das Essen chic und Mirco blau. Was soll ich sagen, man soll die Feste feiern wie sie fallen. Es dauerte nicht lange und die Traumwelt hatte mich voll unter Kontrolle.

Plötzlich, tief in der Nacht, überkam mich der Drang zur Toilette zu gehen, dem ich nur zu gern folgte, denn ganz ehrlich, wer möchte schon ein Wasserbett; ungewollt? Kurz darauf legte ich mich wieder hin und genoss die Ruhe nach dem Sturm.

Am nächsten Morgen

Ich hatte mich chic gemacht, für ein Frühstück in der Stadt. Bereits im Fahrstuhl wurde ich von anderen Gästen ganz lieb begrüßt, was ich gar nicht verstand. Dies setzte sich in der Lobby fort. Nicht wenige Gäste grüßten mich oder winkten gar. Etwas befremdlich schüttelte ich den Kopf und lehnte mich an den Tresen und wollte fragen, ob für mich eine Nachricht hinterlassen wurde. Die beiden Damen schauten sich an, lachten aus vollem Halse und eine von beiden gab mir dann zu verstehen, dass die letzte Nacht wohl anders verlaufen war, als ich es in Erinnerung hatte.

Der tatsächliche Verlauf der letzten Nacht:

Anstatt nach dem Toilettengang wieder ins Bett zu torkeln, verwechselte ich die die Apartmenttür mit der Innentür und stiefelte auf den Gang hinaus. Bekleidet mit einem Schlafanzug marschierte ich schnurstracks zum Fahrstuhl und betätigte mich anschließend gute zwei Stunden als Liftboy, begrüßte die Gäste, unterhielt sie mit lustigen Geschichten und sorgte für allerlei Belustigung während der Fahrt. Mir selbst war von diesem Spektakel nichts bewusst.

Später bekam ich dann doch die Kurve und erreichte die Lobby, wo ich mich an die Bar setzte und hier lustige Sprüche zum Besten gab. Ich war die Attraktion in der Nacht und alles jubelte mir zu. Das Hotelpersonal sammelte mich dann zur frühen Morgenstunde ein und versuchte zu klären, zu welchem Zimmer ich denn gehören würde. Als dies ein wenig später geklärt werden konnte, da sich eine der Angestellten an mich erinnerte, wenn auch in angezogenem Zustand, brachte mich jemand vom Hausmeisterservice zurück zu meinem Apartment. Hier angekommen, öffnete ich die Tür, schlurfte hinein, legte mich aufs Bett und vergaß all jenes, was ich nur unter der Rubrik : "Abenteuer" verbuchen konnte.

Die Realität holte mich dann am kommenden Tag am Empfangstresen ein. Gott war mir das peinlich. Ich wurde knallrot und imitierte eine Tomate, na ehrlich gesagt, schlug ich diese im Bereich Farbintensität. Das Courtyard in Braunschweig bedankte sich für eine Nacht der Ausschweifungen meinerseits, sowie einer Attraktion, die so nicht im Programmheft ihrerseits stand.

© Mirco von Maydell