Ein schafes Ding

Wieder einmal war ich unterwegs mit meinem guten Kumpel M. Wir fuhren mit meinem kleinen grünen Frosch, wie ihn damals meine Freundin nannte, einem in die Jahre gekommenen VW Polo, durch Brunsbüttel. Unverhofft schaute ich in den Rückspiegel und entdecke einen Streifenwagen, der uns anscheinend folgte. Ich dachte mir nichts dabei und so ignorierte ich dies. Als dann jedoch ein paar Straßen weiter sich ein zweiter dahinter einreihte, fand ich das doch schon ein wenig komisch und so schielte ich zu M. herüber und fragte ihn ganz offen: "Hast du was ausgefressen oder wieso hab ich da hinter mir so eine grüne Fanschaar?" M. schüttelte den Kopf, blickte nach hinten und sagte noch cool: "Ich würde sagen, es sind jetzt drei, denn hinter dem zweiten Streifenwagen ist noch ein Polizist auf dem Motorrad." Das war dann auch ihm nicht ganz geheuer, weshalb wir beschlossen, kleine Schleichwege zu fahren, um zu sehen, ob wir sie abschütteln könnten, aber nein, sie folgten uns weiterhin.

Wenig später fuhren wir in Richtung Deich, da wo nichts los war. Kaum hatten wir ein paar Hundert Meter zurück gelegt, umrundete uns der erste Streifenwagen und versperrte uns die Weiterfahrt. Die Beamten sprangen aus den Wagen, rissen unsere Türen auf und befahlen uns, sich breitbeinig hinzustellen. Anschließend erfolgte eine Durchsuchung. Ich verstand gar nicht, was los war und sagte ganz läppisch: "Ist es jetzt verboten am Deich langzufahren?" Dafür erntete ich nur ein grobschlächtiges: "Nun werden sie mal nicht komisch!" Ich schaute zu M. herüber und auch der verstand die Welt nicht mehr. Schließlich fragte ich nach: "Sagen sie mal, was ist das hier für ein Aufriss?"

Uns wurde berichtet, dass hier am Deich immer wieder Schafe erschossen werden und das aus einem grünen Auto heraus und sie fahren zufällig ein grünes Auto. "Ja das stimmt wohl, aber ganz ehrlich, Schafe erschießen aus einem fahrenden Auto heraus? Ich kann nicht mal schießen!" Damit war für mich die Sache erledigt. Leider hatte ich die Rechnung ohne meinen Kumpel gemacht, denn der haute eiskalt heraus: "Ich bin ein echt guter Sportschütze. Ich würde die treffen!" Ich traute meinen Ohren nicht. Hatte er das da gerade echt gesagt, nach der Ansprache des Polizisten? Mein Blick wurde finster und ich blinzelte wie bei einem Western High Noon kurz vor dem Duell zu ihm herüber. Doch er war sich keiner Schuld bewusst und lächelte über das ganze Gesicht. Ohne Ohren hätte er im Kreis gelacht.

Die Polizisten rannten auf uns zu und schleppten uns festen Schrittes in ihren Mannschaftsbus zum Verhör. Dort durften wir ein paar Stunden lang erklären, was wir denn am Deich tatsächlich machen wollten. Ich fragte den Polizisten: "Darf ich meinen Kumpel dafür bestrafen, für diese dumme Aussage?" Aber leider winkte er ab.

Eine gefühlte Ewigkeit später, auf freiem Fuß, schnaubte ich wie ein altes Walross und sagte nur: "Wenn du noch mal auf so eine dumme Idee kommst, fährst du künftig im Kofferraum mit."

© Mirco von Maydell