Ikea - Ich kann es auch

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Ikea - Ich kann es auch | story.one

Es war Samstag und die Familie beschloss, in den IKEA zu fahren. Beschließen bedeutete hier, dass Mama und Papa sagten, da wollen wir hin und du kommst mit. Welch Freude ich verspürte, als ich hinten im Auto saß, auf dem Weg zu einem Möbelmarkt. Jener Ort, an dem sich Kinder mit Vorliebe aufhalten ;-) Nun denn, ich war ja mit von der Partie.

Nach einer geschätzten Stunde kamen wir in Delmenhorst beim IKEA an. Papa parkte das Auto und der Junior, meine Wenigkeit, sondierte sogleich die Lage. Hier gab es alles, Tische, Bänke, Schränke, Betten, Gardinen, jede Menge Kaufhungrige und Personal. Das war ein Spaß - nicht. Ich langweilte mich zu Tode, fühlte mich wie das fünfte Rad am Wagen und schlurfte mit den Füßen hörbar über den Fußboden. Letzteres machte ich, seit wir den Laden betreten hatten. Als meine Mutter mich antippte, ich möge das doch bitte unterlassen, da die Leute ringsum schon komisch gucken würden, zuckte sie regelrecht zusammen und blickte mich an, als hätte sie der Blitz beim Scheißen getroffen. Dennoch sagte sie nichts. Dem Junior war das nicht entgangen.

Mit dieser neuen Fertigkeit ausgestattet, schlurfte ich los, in die weite Welt voller Abenteuer, Gefahren und zuckender Menschen. Ich fasste links, wie rechts die Leute an und alles zuckte zusammen. Gott war das ein Spaß. Warum auch immer sie das taten, ich freute mich wie ein Schneekönig. Wieder und wieder sprangen die Umstehenden weg, als hätte ich einen unsichtbaren Schutzschild, der allen Menschen um mich herum befahl, Abstand zu halten. Das war so cool. Gerade als ich der Verkäuferin vor mir an den Po fassen wollte, zog mein Vater mich aus dem Gang hinters Regal und sagte: "Junge, was ist nur mit dir los? Kannst du nicht einmal, nur einmal wie ein ganz normales Kind sein? Musst du immer auffallen?" Ich schaute ihn mit meinen großen Kulleraugen an, ganz unschuldig, wie das zarte Lamm auf der Wiese und sagte: "Papa, ich hab dich lieb." Die Verkäuferin, die uns gefolgt war schüttelte den Kopf und sagte zu meinem Vater: "Nun lassen sie ihren Sprössling doch, er wollte das ja gar nicht." Mein Vater ließ los, ich sprang auf und rannte zu meiner Mutter. Hier versteckte ich mich hinter ihrem Körper und wartete auf meinen Vater. Dieser trat sogleich in Erscheinung und wollte gerade losschimpfen, als die Verkäuferin erneut vorbei kam und ihm schöne Augen machte, was meiner Mutter nicht entging. "Sag mal, da lässt man dich einmal, nur ein einziges Mal aus den Augen und dann kommt sowas dabei rum?" Mein Vater schüttelte unschuldig den Kopf, schließlich war er sich keiner Schuld bewusst.

Später an der Kasse standen wir da und die besagte Verkäuferin kassierte uns ab. Meiner Mutter gefiel der Umstand in keinster Weise. Meinem Vater hingegen schien das zu gefallen, weshalb er seine liebe Frau antippte, die dann einen Schlag versetzt bekam, denn auch er war über den Linoleum Boden geschlurft und hatte sich derart aufgeladen, dass ein kleiner Blitz entstand und meine Mutter hochsprang.

© Mirco von Maydell 08.09.2019