She`s gone

Sie schrieb mir vom Schloss aus, ob ich noch etwas brauchen würde und ich sagte, bring mir einen Donut mit, was sie nur zu gerne tat. Sie liebte diese kleinen Dinger ebenfalls und sie schmeckten einfach himmlisch. Ich beeilte mich nach der Arbeit heimzufahren und so erreichte ich die Wohnung gegen fünfzehn Uhr. Jessica hatte sich um die Wäsche gekümmert und wollte mir was schönes Kochen, weshalb sie heute ins Schloss wollte. Ach sie war eine tolle Frau und so freute ich mich umso mehr, wieder zurück und bei ihr zu sein. Ich schloss die Tür zum Apartment auf, legte meine Jacke ab und erfreute mich der Wärme. Der Januar zeigte sich von seiner kalten Seite und hatte die Welt in ein Schneekleid gehüllt.

Da lag sie, schlummernd im Bett, der Fernseher lief, irgendein Videospiel was sie liebte und alles war friedlich. Ich wollte sie nicht stören, weshalb ich mich ganz leise verhielt. Plötzlich schellte ihr Handy. Ein Blick aufs Display verriet mir, dass es ihre Eltern waren. Diese waren immer sehr besorgt um sie, denn Jessica war ihr einziges Kind. Der Klingelton war echt schrill, doch nichts rührte sich. Auch beim zweiten Anruf reagierte meine Süße nicht drauf, was ich merkwürdig fand, denn egal was war, diese Anrufe bekam sie stets mit. Ich ging zu ihr, setzte mich aufs Bett und fasste nach ihrem Bein. Es war kalt, bitterkalt, so dass ich erschrak. Ich schlug die Decke auf und sah es, alles war marmoriert und sie still. Panik ergriff mich und ich rief sofort den Notarzt, schilderte was geschehen war und diese machten sich auf den Weg. Ca. zehn Minuten später traf dieser ein, untersuchte sie, legte den Defibrillator an und gab Power. Ihr Körper zuckte, bäumte sich auf, doch nichts geschah. Der Arzt wiederholte die Prozedur 2,3 mal und verharrte dann. Er schüttelte den Kopf und sagte: "Es tut mir leid, wir waren zu spät. Sie ist tot!!!" Ich konnte es nicht fassen. Meine Jessica sollte nicht mehr leben? Sie hatte mir doch noch vom Schloss aus geschrieben, wie kann das sein? Die Polizei traf ein und ich brüllte los: "Neeeeiiinnnn, du darfst nicht sterben, lass mich nicht hier allein zurück!!!!""" Ich schlug wild um mich, so dass die Polizisten es schwer hatten, mich zu bändigen. Ich schrie um mein Leben, ich wollte sie zurück haben. Das durfte nicht wahr sein.

Draußen auf dem Flur scharrten sich Leute um mich, Nachbarn, die von dem Lärm hochgeschreckt sind und fragten, was passiert wäre. Einer der Polizisten forderte sie auf, dass sie wieder reingehen sollten. Ich brach weinend zusammen, konnte es nicht glauben, wollte es auch nicht. Wie konnte sie gehen, ohne mich? Ich forderte Gott auf, mich ebenfalls zu holen, doch nichts geschah.

Eine halbe Stunde später traf der Bestatter ein. Er legte Jessica in den Sarg und wollte gerade zur Tür raus, als ich erneut versuchte, um sie zu kämpfen. Doch es half nichts, ich wollte sie noch einmal sehen. Noch einmal berühren, noch einmal in den Arm nehmen. Doch sie ging, ließ mich zurück. Sie ist ohne mich gegangen.

© Mirco von Maydell