Tage die wie Regen sind

Da saß ich nun, allein auf dem Bett, blickte aus dem Fenster und musste verarbeiten, was ich gerade per Post erhielt. Der Brief fiel mir aus der Hand, ich konnte es einfach nicht glauben, was dort in schwarzen Lettern geschrieben stand und doch war es so. Einfach fort ist sie gegangen. Kein letztes Wort verließ an mich ihre Lippen. Ich blieb zurück, konnte ihr nicht mehr folgen. Dichter wurden die Bäume, eng an eng standen sie, ließen mich nicht zu ihr. Mein Puls beschleunigte fast ins grenzenlose, diese Zeilen, sie trafen mich mitten ins Herz, brachten mich zu Fall, ließen mich stürzen und liegen. Wie war es nur möglich weiter zu machen, in dem Wissen, dass der Weg nun ohne sie gegangen werden musste. Sie, mein Anker in der Welt der schreibenden Zunft, hatte mich bis hierher an die Hand genommen und nun, ließ sie mich im Regen stehen. Dieser Regen, er holte sich meine Trockenheit, verbannte sie, tauschte sie gegen eine Nässe, die nicht die meine sein sollte.

Wie konnte sie das tun? Sie wusste es doch besser, das sie eine Lücke hinterlassen würde, die sich niemals wieder schließen würde. Meine Hände, sie spürten die Kälte, die mit der Nässe einherging, sie wollten nicht fliehen. Angst ergriff mich, packte mich, warf mich zu Boden. Das Fenster, es stand auf, der Regen prasselte, vollzog seine Geräusche, ließ mich stumm da liegen, beachtete mich mit keinem Wort.

Geliebter Feind, jener welcher mir die Sonne stahl, stach mir ins Herz und brach es in Teile. Sie war gegangen, vollzog das letzte Mahl und entschwand. Meine Tränen liefen zu Boden, sammelten sich, bildeten kleine Rinnsale und verhöhnten mich. Was ich auch tat, der Weg zurück führte durch diesen undurchdringlichen Wald, eben jenem, zu dem ich noch kein Zugang erlangte.

War Schwäche nun mein Vorname und Angst das Folgewort? Mein Kopf fiel zu Boden, schwer wie eine Tonkugel und schlug dumpf auf. Schmerz zeichnete seine Spuren in mein farbloses Gesicht, hinterließ eine Rötlichkeit an jener Stelle und zwang mich dem nachzugeben. Meine Finger gruben sich wie Klauen in den Teppich, wollten zu ihr hin graben, doch verloren sie jeden Halt, noch ehe sie ihr Ziel erreichten.

Ich hatte verloren, der König war gefallen, Schach matt und die Dame? Sie stieg hinab, in dieses Grab aus Einsamkeit und Angst, ließ zurück, was einst sie liebte und vollzog ihr Schicksal. Der Rand war es, der mich zu Fall brachte, jener Rand der mir sagte: "Sie ist nicht mehr, nur noch du."

© Mirco von Maydell