Tagebuch 20-09-2019

Heute ist wieder so ein Tag, an dem es mir schwer fällt zu arbeiten. Die Gedanken liegen wie Blei in meinem Garten der Ideen und ich höre in die Natur hinein, vernehme jedoch nur das Rauschen der großen Straße hinter mir. Von überall her dringen Nachrichten zu mir durch, über Facebook, Instagram, Messenger, E-Mail, per SMS aus dem Ausland und am Telefon ein junger Mann, der sich ganz aufgeregt mir vorstellt, als ein Autor der noch auf dem Weg ist. Herrlich dieser Enthusiasmus, ich mag das ja und so lausche ich seiner Idee, die Welt mit seinen Farben zu sehen und mit seinen Klängen zu bespielen. Wenig später stellt sich heraus, er ist erst vierzehn, hat aber schon jetzt Ideen wie ein ganz Großer. Ein Schmunzeln durchläuft mein Gesicht und ich schwelge in Erinnerungen an mich selbst, wie ich einst auf der Auffahrt saß und Gedichte schrieb, damals 1988 in Eddelak.

Nach dem Telefonat skizziere ich mir in Stichpunkten seinen Namen, seine Idee für ein Buch und meine Intention dazu und hefte diesen Zettel ab unter der Rubrik: Beobachten. Dort liegen all jene, die Potenzial haben. Manche glauben an sich, jedoch die meisten nicht. Sie sind verängstigt, verschüchtert, umgeben von Menschen, die ihnen nichts zutrauen und sie damit so sehr erden, dass ihre Fantasie es schwierig hat, allein das Haus zu verlassen.

Alltag, jeden Tag von Montag bis Samstag sitze ich am Schreibtisch und helfe anderen dabei, ihre Probleme, ihre Wünsche und Sorgen zu nehmen, bzw. in die Tat umzusetzen. Manches geht ganz leicht, anderes jedoch bedarf einer gewissen Raffinesse. Nicht selten stehen sich die lieben Herren und Damen der Autorenwelt dabei selbst im Weg. Sie wollen so viel, machen jedoch sehr wenig dafür. Klar, Erfolg wollen wir alle haben, also fast alle, doch Erfolg ist etwas, für das man hart arbeiten muss, das fällt einem nicht in den Schoss und ganz ehrlich, wäre es so, was wäre das für ein Erfolg? Richtig, ein lausiger. Erfolg muss schwer zu erreichen sein, damit seine Wertigkeit erhalten bleibt.

Zwei Kaffee später und ein Konzept weiter. Da sitze ich am Laptop, blicke erneut auf die Straße und überlege, wie ich mich selbst besser vermarkten kann. Das ist eine Rubrik, die liegt bei mir auf dem Stapel: Man muss das denn sein? Ich bin jemand, der gerne im Hintergrund ist und anderen den Vortritt gewährt, auf das sie im Rampenlicht stehen, doch hier muss es sein, so gern ich das auch ausblenden würde. Stifte raus, es wird gemalt, skizziert und gezeichnet. Eine Hierarchie ist gefordert und ich muss es tun. Wer macht was, damit es organisierter abläuft, so die Idee.

Ach heute ist ein Tag, da würde ich gerne einfach mal ein und ausatmen, weiter nichts. Später gegen Abend ist Autorenstammtisch, da freue ich mich drauf, doch bis dahin sind wieder 30,50, wenn nicht gar Hundert Entscheidungen zu treffen. Diese Tage, auch sie wollen gelebt sein, also schreibe ich weiter, nein Moment ich zeichne ja noch. Also, bis denn, bis morgen liebes Tagebuch.

© Mirco von Maydell