Vor dem Deich, 1978

Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen, ich saß auf dem schweren Eisentor des Campingplatzes von gegenüber und wartete nur darauf, dass wieder ein neuer Camper auf den Platz wollte. Es war Sommer, die Sonne brannte auf meiner Haut und ich war gerade einmal fünf Jahre alt. Ich wohnte gegenüber in dem schönen Haus meiner Großmutter, wo vorne im Garten die Pflanzen wuchsen, die mein Onkel dort angepflanzt hatte. Er war davon beseelt Gärtner zu werden und schon jetzt trieben seine Ideen diesbezüglich Blüten. Ach ich liebte den Sommer, rannte jeden Tag früh morgens raus, ging meistens zum Strand an die Weser und buddelte dort nach verborgenen Schätzen. Gefunden hab ich zumeist Steine, Muscheln, kleine Krebse. Während ich dort so umtriebig war, schaute ich immer wieder auf den Fluss und freute mich jedes Mal wie ein Schneekönig, wenn wieder ein großer Pott vorbei fuhr, denn kaum war dies geschehen, spülten die Wellen an den Strand. Ich genoss dies sehr und schaute dann zumeist nach links und rechts, ob noch ein weiterer in Sichtweite war. Ja, ich war ein Abenteurer damals, der dass Wasser liebte, die Schiffe und den Strand.

Ich lebte vor dem Deich, in Oberhammeldwarden, einem kleinen Dorf zwischen Brake und Elsfleth gelegen. Hier kannte jeder jeden, erzählte mir meine Oma immer und was sie sagte, das stimmte. Im Ort, Nahe der Durchfahrt im Deich, war ein kleiner Supermarkt, in dem wir nicht selten einkauften. Gerne ging ich mit, immer auf der Suche nach weiteren Abenteuern. Manchmal begegneten wir Leuten, die meine Oma kannte und schon ging es los, sie schnackte und schnackte, ach es war herrlich, was sie alles zu erzählen hatte und was sie auch von anderen erfuhr. Kurz darauf kam wir auch schon voll beladen aus dem Laden und machten uns auf den Heimweg. Fleißig wie ich war, trug ich immer etwas, auf dass es meiner Oma nicht zu schwer wurde. Wir querten den Deich, bogen rechts ab, den Sandweg hoch und erreichten unser Zuhause. Hier angekommen, flitzte ich sogleich wieder nach draußen, raus in die Sonne und zum Bolzplatz schräg gegenüber. Es spielten hier nicht selten die Kinder vom Campingplatz, denen ich zusah. An diese Zeit erinnere ich mich gerne, denn es war eine Zeit, in der meine Oma noch lebte. Diese immer freundliche und liebenswerte Frau, die die Familie zusammenhielt, mit ihrem guten Essen, ihrem Sinn für die Sorgen anderer, ihren Ideen, sowie ihrer fleißigen Arbeit. Es gut gut über sie zu schreiben und sich an sie zu erinnern.

© Mirco von Maydell