Die Lunge brennt

Gerade heute sah ich wieder die Bilder vom Amazonas in Südamerika, der ziemlich großflächig die Flammen in sich trägt. Wie im Großen, so im Kleinen sage ich zu mir, wenn ich den trockenen Husten samt gelegentlichem, grün-gelbem Auswurf spüre und sehe, der meine Lunge zum Schmerzen bringt. Wie kommt das?

Ich wollte zu viel.

Wie die im Regenwald auch, fällt mir ein.

Letzten Montag Training, hochintensiv, das alles nach einem Wochenende in Amsterdam. Und nein, es geht jetzt nicht darum, was nun intuitiv gedacht wird. In Amsterdam, die Stadt, welche ich vor über 20 Jahren großteils nur aus der Horizontalen eines Hostels wahrnahm, gab es diesmal was anderes zu feiern, als den legalen Konsum von (fast) allem. Ein großes Event meines Unternehmens, Bühnenzeit vor ca. 750 enthusiastischen Leuten, viel los und ansehnliche Erfolge des grandiosen Teams. Dazwischen die durchwegs lebendige Stadt angesehen, diesmal ganz wach, wenn auch grundmüde und in keinster Weise substantiell beeinträchtigt. Wobei, das stimmt nicht ganz. Mein Brennen in der Brust zieht sich schon seit Längerem. Somit sind es die Signale des Körpers, die sich melden.

Spätestens, als meine Familie zerbrach, meine kleine Tochter 300km an einen bisher unbekannten Ort zog (mit der Mutter versteht sich), brannte es. Mal mehr, mal weniger. Wenn ich unterwegs bin, dann geht es besser. Unter Menschen gehts mir gut. Zuhause verändert sich das dann meist in eine immer wieder einschneidende Melancholie. Diese nahm sogar Platz in meinem Gehirn. Rechtsseitig. Pochend, stechend. Beängstigend. Was habe ich falsch gemacht, dass es zum Flächenbrand kam?

Ich brenne. Meine Emotionen überwältigen mich. Wut, Angst, Hass, Trauer. All das. Das totale Unverständnis macht sich breit. Wie aus dem Nichts kam das Ende der Liebe. Die Liebe, die ich im Außen suchte und die sich gut anfühlte. Dann der Knall. Noch heute fühle ich die damit verbundenen Schmerzen wie unzählige Nadeln im Nervensystem. Nun, brennend und voll von Negativität mag ich mich an dem Tag gar nicht mehr. Ich fühle mich als Versager. Wie wahr: Ich ver-sage mir aktuell das süsse Leben durch den zermürbenden Innendialog. "Du ziehst das an, was du bist, ... " heißt es so schön. Fuck it! Selbstmitleid ist wie Spiritus für die Flammen, die sich vom Bauch aufsteigend in das Herz ziehen und dieses in einen unangenehmen Arhythmus bringen, der Angst macht.

Auf Instagram kommen die ersten Segnungen der User für den Amazonas. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Atmen.

Das hilft gegen den Brand. Auch wenn es heißt, dass Wind nicht optimal für die Flammen ist. Mein Körper dankt und richtet sich wieder auf.

Einatmen.

Ausatmen.

So ein Widerstand am Anfang. So viel Spannung im gepeinigten Gewebe über Jahre. So viel Tränen und Verzweiflung.

Atmen.

Es kommt plötzlich Luft in Räume, wo lange keine Luft mehr da war.

Dort erinnert sich etwas.

Die Natur ist immer stärker.

Sie gewinnt.

Brand aus.

© MISTA