Das beste Geburtstagsgeschenk

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Das beste Geburtstagsgeschenk | story.one

Mein 21. Geburtstag war spitze. Ganz sicher war er das. Bestimmt.

Um ehrlich zu sein, ich habe nicht den Hauch einer Ahnung, was dort passiert ist. Der Grund dafür ist schlicht und einfach, der Tag davor.

«Wach auf Schlafmütze», weckte er mich mit einem sanften Kuss. Rasch sollte ich mich anziehen, es gäbe eine Überraschung. Neugierig schlüpfte ich in die erstbeste Jeans und Oberteil. «Was brauch ich noch?", fragte ich lächelnd.

«Nur dich», erwiderte er kryptisch. Schon sassen wir in seinem grünen A6, um den mich viele Freunde beneideten. «Wo geht es hin?» «Hamburg. Erstmal frühstücken, Fischmarkt anschauen.» Nun war ich endgültig wach. Er konnte doch nicht, hatte er das wirklich...

«Schau mal ins Handschuhfach, da liegt dein Geburtstagsgeschenk.» Ehrfürchtig öffnete ich den Umschlag. Zwei Karten. Davis Cup, Deutschland-Schweden. Erst war ich sprachlos, dann schrie ich «jiiiipiihh» umarmte ihn stürmisch und gab ihm lauter Küsse.

«Vorsichtig», lachte er. «Ich fahre… «

Jahrelang war ich ein grosser Tennis-Fan und spielte selber in Berlin in einer Mannschaft. Das damalige Idol war Boris Becker. Wir fieberten bei allen seiner Spiele mit. Sein Kampfgeist imponierte mir. Ihn mal live zu sehen, empfand ich einfach sensationell. Glücklich genoss ich die rasante Fahrt von Berlin nach Hamburg. Wir schlenderten Arm in Arm über Hamburgs Fischmarkt, sahen etwas von der Speicherstadt, frühstückten in einem Cafe und genossen die Zweisamkeit. Mein Herz hüpfte bei dem Gedanken, dass ich noch heute das Deutsche Davis-Cup Team sehen würde. Am Nachmittag war es dann soweit. Wir sassen am Hamburger Rothenbaum. Die Mannschaften liefen ein und begrüssten die johlende Menge. Eine Gänsehaut überkam mich, die ihren Höhepunkt hatte, als Boris eintraf. Ich wollte ihn nicht nur zusehen, sondern gleich anfassen, vielleicht auch heiraten. Alles war möglich, in meinen Gedanken. Ich drehte mich zu ihm. Ihm, der mir das hier ermöglichte. Er wäre eifersüchtig gewesen, wenn er meine Gedanken gehört hätte. Leicht schuldbewusst kuschelte ich mich einen Moment an ihn und hauchte «Danke» in sein Ohr. Wenn wir beide geahnt hätten, dass sich unser Leben wenige Monate später gänzlich verändern würde und ich mein Herz endgültig einem anderen schenken würde, wäre es ein ganz anderes Gefühl gewesen. Von tiefer Melancholie durchzogen. Gut, dass wir zwei dies Alles nicht wissen konnten…

Die Minuten, Stunden vergingen zeitlos. Dass Deutschland am Ende Schweden unterlag war traurig, aber konnte meiner sonnigen Laune nichts anhaben. Erschöpft vor lauter Eindrücken schlief ich seelig ein. Er weckte mich in Berlin «Wir sind zu Hause.» Müde gingen wir nach oben und da schlief ich wohl direkt weiter, bis ich am nächsten Morgen, meinem eigentlichen Geburtstag erwachte. Bestimmt kamen da Freunde vorbei, aber mir fehlt jegliche Erinnerung dazu.

Diese Reise nach Hamburg, dieses Geschenk war nicht der perfekte Moment.

Es war der PERFEKTE Tag.

Danke Papa!

© Moana