Vergleich macht nicht glücklich

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Vergleich macht nicht glücklich | story.one

Nachdem mein Mann mich mit unseren gemeinsamen Kindern für seine 10 Jahre jüngere Assistentin hat sitzen lassen, habe ich mich lange und intensiv nach den Bausteinen einer Beziehung gefragt. Gemeinsame Interessen, gleicher Humor, die selben Lebenspläne und Ziele, Werte, an die man glaubt, und Sex. Ich habe versucht zu bewerten was wirklich wichtig ist, worauf es langfristig in einer Ehe ankommt und habe dabei begonnen mich mit seiner Affäre zu vergleichen. Heute weiß ich, daß der Vergleich der schlimmste Fehler ist, den man sich selbst antun kann. Der Sex war meinem Mann nie wichtig, schon gar nicht eine gewisse Kreativität, Abwechslung oder Häufigkeit. Im Gegenteil, er war von Anfang an eintönig, bieder und er war nie zugänglich für Neues. Ich habe das akzeptiert, nie thematisiert, denn ich war der festen Überzeugung unsere Beziehung beruht auf so viel mehr als Lust und Sex, dass Werte wie Loyalität, Treue, Familie und das gemeinsame Schaffen einer schönen, gemeinsamen Zukunft wichtiger sein und für die Stabilität und Langlebigkeit der Ehe verantwortlich sind. Doch dann, als ich den Betrug entdeckt habe, hat es mir den Boden unter den Füßen weg gezogen! Ich habe alles hinterfragt! Alles! Alles worauf ich dachte, dass unsere Beziehung beruht. Nichts war mehr stimmig. Plötzlich begann er sich in allen Aussagen der letzten 14 Jahre zu widersprechen! War alles eine Lüge? Bin ich blind oder dumm gewesen? Wir haben uns bewusst für 4 Kinder entschieden und dann sagte er mir, er sei doch kein Familienmensch. Was also hatte diese andere Frau, was ich nicht hatte? Was war es, dass aus einem Familienvater einen verantwortungslosen Playboy macht? Ich habe so viel demütigende Antworten bekommen. Der Sex mit ihr sei der Wahnsinn, sie hätte einen makellosen Körper, er hat mit ihr sexuelle Fantasien ausgelebt, von Orten und Stellungen, die er mir stets verweigert hatte. Bis hin zu der Aussage, sowas macht man nur mit seiner Geliebten, aber nicht seiner Frau. Verletzt, gedemütigt und vor den Kopf gestoßen zu werden war die eine Sache. Die andere war, dass ich an mir selbst zu zweifeln begann. Natürlich haben die 4 Geburten an meiner Spannkraft ihre Spuren hinterlassen, doch es waren ja seine Kinder. Wie kann er mir das jetzt vorhalten. Seit mittlerweile Jahren hatte ich ihn immer wieder gebeten sich einmal einen Vormittag frei zu nehmen, wenn die Kinder in der Schule und dem Kindergarten sind, damit wir gemeinsam brunchen gehen können, Zeit für uns haben, reden und lachen, so wie früher. Für mich nahm er sich nie die Zeit, aber für sie schon.

Ich weiß heute, dass es nicht an mir gelegen ist, auch nicht an der anderen Frau, die mittlerweile keine Rolle mehr in seinem Leben spielt. Es lag einzig an ihm! Keine Frau in der gleichen Lage sollte versuchen sich zu vergleichen, denn zum Einen findet man da keine Antwort und zum Anderen vergräbt man sich im Leid der Vergangenheit statt aufzustehen und selbtbewusst nach vorne zu gehen.

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