Äußerlichkeiten und Kommentare

Womit jede Frau im Leben unweigerlich irgendwie zurecht kommen muss, ist ihr Aussehen und die dazu unerwünschten Kommentare aus ihrer Umgebung.

So habe ich im vierten Monat meiner ersten Schwangerschaft von meiner jüngeren Schwester gehört: "Du hast aber auch einen fetten Hintern bekommen!", während ich mich umdrehte um ihr Kuchen aufzuschneiden.

So habe ich von meiner älteren Schwester auf dem Maturaball meines Bruders gehört: "Mein Gott! Wo ist denn dein Busen hin?", nachdem ich vor Kummer neun Kilo abgenommen hatte, weil sich mein Freund von mir trennte.

So sagte ein Kind in der Arbeit zu mir: "Was hast du denn da für Löcher im Gesicht?", da im Frühling meine Sommersprossen wieder explodierten und mich über und über mit kleinen Flecken segneten.

So sagte mein Vater: "Schaut aus, als hätte dich eine Maus angeknabbert!", als ich mir die Haare kurz und fransig schneiden ließ, und meine Mutter meinte: "Da ist er ja wieder, mein Murgelkopf!", als ich sie mir dann ein Jahr später auf zwölf Millimeter abrasierte, weil sie vom vielen bunt färben schon ganz kaputt waren. Sie meinte es lieb, aber es war kein schönes Wort für eine Vierzehnjährige.

So sagte meine Schwiegermutter neulich: "Jaja, ich hab auch schon so viele graue Haare!", und diesen Vergleich fand ich grotesk, angesichts der Tatsache, dass sie schon völlig ergraut wäre, wenn sie der Natur nicht wehement nachhelfen würde.

So meinte meine Zahnarztassistentin unlängst: "Oh! Ich hatte auch schon immer so gelbliches Zahnschmelz, da nehmen wir für Sie wohl besser die dunklere Füllung!", und ich hoffte, dass ich den Mund bald wieder schliessen durfte, denn bis dahin dachte ich meine Zähne wären weiß genug!

Aber manchmal kann ich mich auch freuen über Kommentare zu meinem Äußeren: Aufgebrezelt und zurecht gemacht stand ich im Winter an der Bar, mein Mann neben mir, ebenso kultiviert. Es war ein Spendenball, zu dem wir uns wagten, und ich trug tatsächlich das gleiche Kleid, das ich zu meinem eigenen Maturaball getragen hatte. Und es passte hervorragend!

So sagte eine Frau zu mir: "Was reden Sie denn da! Sie haben schon zwei Kinder und sind verheiratet? Das geht sich in meiner Rechnung aber nicht aus! Wie alt sind sie denn? So um die 22 nicht?", während ich mich freudig in der totalen Unterschätzung meines Alters suhlte und mein Mann mir verschmitzt zuzwinkerte.

Danke für die Worte! Sie waren im rauen Wind der Äußerungen gegen das Erscheinungsbild eines weiblichen Wesens ein wahrer Segen!

Das unerwartetste Kompliment machte mir aber einst ein junger Assistenzarzt, der als OP-Vorbereitung meine Organe abtasten musste. Er drückte gemächlich auf mir herum und meinte beeindruckt: "Wow, so eine schöne Bauchdecke habe ich noch nie gesehen! Und das nach zwei Geburten!" Ich sah ihn erstaunt an, er hielt in der Bewegung inne und errötete entzückend.

© MonaLena