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Der Ausnahmezustand

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Der Ausnahmezustand | story.one

Ich schreibe meiner Freundin in Italien, die News aus Mailand beunruhigen mich. Nicht nur, dass hier in Österreich immer mehr Menschen in Panik verfallen und einkaufen wie die Verrückten, ich bekomme auch kein Händedesinfektionsmittel mehr, dabei muss ich es vorschriftsmäßig natürlich verwenden, wenn ich mit Patienten zu tun habe. Meine Vorräte reichen noch ein Weilchen, aber schräg ist das schon.

Meine Freundin erzählt mir, dass sie jetzt von zu Hause aus arbeitet. Sie geht nicht raus, nur zum einkaufen, das geht noch. Also Lebensmittel horten ist nicht nötig sagt sie. Ihr Vater ist 70 und das macht ihr sorgen. Wenn er erkranken sollte, wird er es gut überstehen? "Die Krankenhäuser sind voll, es hat sich zu schnell ausgebreitet! Werdet ihr euer Konzert trotzdem spielen?", fragt sie mich.

Nein, wir spielen nicht. Das Konzert in Graz wurde vom Veranstalter abgesagt. Recht hat er! Alles was hilft, damit es sich langsamer verbreitet, rettet Menschen.

PIEP! Da kommt ein Video am Handy rein. Mir platzt fast der Kragen! Ein unglaublicher Schwachsinn wird um die Welt geschickt, in dem Verschwörungstheorien die Runde machen: Corona Virus gibt es nicht, kein Mensch ist krank, alles politische Machenschaften, China will das fehlgeschlagene Experiment mit G5 (Sendewellen für Handys) vertuschen und so weiter...

Ich bekomme Angst, dass die Menschen nicht genug Respekt vor Krankheiten haben, wenn sie das sehen! Also verschicke ich ein anderes Video, das ich gleich danach erhalten habe, in dem genau erklärt wird, worum es geht. Eindämmung! Virus hin oder her, wenn zu viele Menschen gleichzeitig krank sind, dann schafft das unser Gesundheitssystem einfach nicht und DANN besteht Gefahr für uns, weil nämlich die nötige Hilfe nicht gewährleistet ist.

Ich sage Kurse ab, ich bereite die Kinder auf Schulfreie Tage mit lernen zu Hause vor, ich gebe meinen Patienten bescheid, damit sie verstehen, warum es besser ist ein wenig zu warten! Ich nehme keine Reisenden mehr auf Couchsurfing auf, wir gehen auch nicht in die neue "Kids-World" zum Trampolin springen und die Hände werden gewaschen, wann immer es möglich ist.

Ich sorge mich aber auch um mich selbst. Ich habe jeden Winter Probleme mit den Atemwegen und nehme Medikamente. Wie schwer würde eine Infektion bei mir verlaufen? Krankenhaus oder Intensivstation? Lebensgefahr? Da bleibe ich doch gerne einige Tage zu Hause, auch einige Wochen, wenn es sein muss. Solange wir nicht hungern, kommen wir auch so gut klar!

"Könnt ihr nicht trotzdem spielen? Ein Live-Stream wäre super, dann kann ich auch bei einem Konzert von euch dabei sein!", kommt die Frage es aus Italien. Gute Idee, das werden wir genau so machen, am Samstag, 18 Uhr! Ein Wohnzimmerkonzert, das sich alle anschauen können, ohne irgendwo hin zu gehen. DAS kann ruhig viral werden! Ein wenig Musik, ein bisschen Unterhaltung in einer Zeit der Ausnahme, und mit vielen guten Wünschen nach Italien. Unsere Gedanken sind bei euch!

© MonaLena 12.03.2020

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