Immer auf die Eier!

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Immer auf die Eier! | story.one

Es sind immer die leidigen Fragen, mit den Eiern!

Erstmal: Wo kommt es her?

Sind es glückliche Hühner gewesen, die im Dreck scharren durften und sich da auch mal ein paar Würmer zu Gemüte führen konnten, während sie ausschweifend durch ein ausreichend großes Gehege gackern durften, ohne einander so zu beengen, dass die eine Henne der anderen vielleicht doch gerne die Augen auspicken möchte, da sie sich um jedes Körnchen streiten mussten, während die anderen gefiederten Damen sich die besten Legeplätze krallten, oder eben keine andere Wahl hatten als ihrem eiförmigen Drang dort nachzukommen, wo sie gerade sind, nämlich in einer Legebatterie?

Dann: Wie lange soll es kochen?

Gilt die drei Minuten Regel für das Ei, das ich da vor mir habe, denn abgesehen von der Größe und der Art der Henne, die es gelegt hat, könnte es ja immer noch sein, dass ich mich entscheiden muss zwischen einem Eierkocher oder einem einfachen "ins Wasser gleiten lassen", wenn mir ein Herd mit einem Topf zur Verfügung steht, wobei dann immer noch nicht klar ist, ob es nun weich gekocht oder medium wie bei einem guten Steak sein sollte, oder vielleicht sogar ein hartes Ei, denn die sind ja jetzt um die Osterzeit dann wieder voll im Trend.

Danach: Wie soll ich es denn servieren?

Immerhin gibt es nicht nur weltweit ganz unterschiedliche Arten ein Ei zu essen, sondern auch innerhalb der kleinsten sozialen Einheiten, Kernfamilien genannt, finden sich die unterschiedlichsten Arten den rundlichen Leckerbissen zu Leibe zu rücken, weil der eine mag es lieber leicht mit dem Löffelchen auf den Kopf geklopft, um es dann liebevoll aus der Schale zu pulen, wärend die anderen gewohnt sind, es gleich ganz mit dem Buttermesser zu enthaupten, was wiederum bei jenen, die einen "Eieröffner" besitzen und ihre komplizierte Gerätschaft dafür einsetzen die Schale kreisrund anzuschlagen, mit einer gerümpften Nase quittiert wird, wobei man sich wie der letzte Neandertaler fühlt, da man vielleicht auch nicht einmal die korrekte Bezeichnung für ein solches Hightech-Gerät kennt und verstohlen in seinen Eierbecher schielt, der das Hühnerprodukt festhält, oder vielleicht auch nicht, denn die lieben Eier sind auch in zermatschtem Zustand sehr genießbar, zum Beispiel in einem Glas, mit etwas Schnittlauch, oder nur Salz, oder Pfeffer, oder auch ganz Ohne, denn so soll es sich angeblich am Besten mit einer Spalte Brot auftunken lassen, wenn man dann doch zu jenen Familien gehört, die keine Löffel für ihre Eier brauchen.

Und zuletzt: Ist das Ding überhaupt noch genießbar?

Misstrauisches "an den Eiern schnuppern" führt ob der Zweideutigkeit der Formulierung am Frühstückstisch immer noch zu regem Gelächter, zumindest bis zu dem Zeitpunkt, wo eindeutig feststellbar wird, dass die Henne schon zu lange von ihrer unbefruchteten Eizelle getrennt zu sein scheint, denn der Geruch eines faulen Eies setzt sich lange in den eigenen Nasenhaaren und den Vorhangfalten der Küche fest.

n.EI.n, danke!

© MonaLena