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Kommt ein Vogel geflogen...

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Kommt ein Vogel geflogen... | story.one

Da ist ein wunderschönes, kleines Nest in der Hecke. Amsel Papa und Amsel Mama flatterten nervös um uns herum, wenn wir es wagten nahe heran zu kommen, um eine Blick auf die Eier zu werfen. Seit drei Tagen sind sie aber verschwunden, denn die kleinen Vogel-Babys haben sich aus der engen Schale befreit. Der Ast der Thuja hängt jetzt weit herab, denn die Vogelkinder sind schwerer geworden. Unsere Katze bekommt extra viel Futter und Streicheleinheiten, um sie vom hinteren Teil des Gartens fern zu halten. Sie ist eine Räuberin und sollte besser nicht entdecken, dass dort vier kleine Vögelchen im Nest auf ihr Futter warten. Wenn wir ganz still im Garten sitzen, können wir die Eltern beobachten, wie sie emsig im Gras picken, in die Hecke huschen und sich umsehen, ob nur ja kein Feind ihre Brut bedroht. Meine Kinder sind ganz entzückt von dem Wunder, das sich in dem Nest zugetragen hat, obwohl die Baby-Vögel wirklich nicht sehr hübsch aussehen. Ihr zerzauster Flaum, die halbnackte Haut, die winzigen Spieße, die daraus hervor ragen und einmal Federn werden sollen, sehen eher abstoßend aus.

Nachdenklich sehe ich meinen Sohn durch den Garten schleichen und plötzlich scheint ihn die Erinnerung zu packen: Er mag Vögel eigentlich nicht besonders, denn da gab es vor Jahren einen unschönen Zwischenfall...

Mein Sohn war zwei, unser Garten war klein und überall zwitscherte es. Der Nachbar liebte Vögel! Sein Garten war voller Vogelfutter, das ganze Jahr über! Leise schaukelte mein Juri in der Hängematte zwischen den Bäumen und genoss den herrlichen Tag. Ein Piepmatz saß entspannt auf dem langen Ast darüber und dann geschah das unerhörte: Er erleichterte sich! Ein riesiges, weiß-braunes Vogeltrümmerl plumpste herab und klatschte meinem Sohn auf den Arm. Schreiend lief er ins Haus um mir mit angewidertem, höchst empörtem Blick das Attentat zu präsentieren. Sein Lieblings-Batman-Kaputzenwesterl war befleckt und er weinte bitterlich! Heldenhaft steckte ich es in die Waschmaschine und er zog mich laut schimpfend in den Garten, um mir den Tatort zu zeigen. Und da saß tatsächlich immer noch dieser freche Vogel am Ast über der Hängematte. Es war ein so fetter Spatz, ich konnte es selbst nicht glauben! Der musste gerade einen anderen Spatzen gefressen haben! Ich nahm den Besen um ihn damit zu verscheuchen, klopfte von unten an seine Füße, aber der voll gefressene Geselle rückte nur mühsam ein paar Zentimeter hin und her. Endlich erbarmte er sich, ließ sich fallen und landete ungeschickt in den Sträuchern des Nachbargartens. Für meine Sohn war ich die Heldin, die den bösen Vogel, der ihm einfach auf den Arm gekackt hat, erfolgreich vertrieben hatte! Aber er verlor nie ganz den skeptischen Blick nach oben, wenn er sich der Hängematte näherte.

Und diesen Blick hat er heute noch. Da können die Vogel-Babys in der Hecke noch so unschuldig piepsen. Er weiß genau: Alles war die jetzt gefüttert bekommen, ist eine potentielle Bombe, die ihn später treffen könnte!

© MonaLena 27.04.2020

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