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MonaLena Blitzkind: Blitzableiter

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MonaLena Blitzkind: Blitzableiter | story.one

Als es zum ersten mal in MonaLenas Kopf geblitzt hatte, war sie gerade hinter dem Haus. Da gab es ein Plumpsklo, in einem kleinen ummauerten Häuschen, das an der Rückseite des Wohnhauses stand.

An der einen Seite des Häuschens führte der Blitzableiter von ganz oben vom Dach des Wohnhauses bis ganz hinunter in die Erde.

„Das wollen wir doch mal sehen!“, dacht MonaLena, denn das Bliztbild in ihrem Kopf hatte ihr statt dem Blitz-Ab-Leiter eine Hinauf-Kletter-Leiter gezeigt, mit der man aufs Dach gelangen konnte. Also hielt sie sich gut am kalten Metall fest und stieg barfuß von einer Schraube zur nächsten weiter. Ihre Zehen mussten sich sehr anstrengen, sie klammerten sich fest so gut es ging, ihre Finger schraubten sich um den Draht und ihre Hände brauchten viel Kraft um sie immer weiter hinauf zu ziehen. Oben angekommen saß sie dann erstmal auf dem Dach des Plumpsklos und freute sich über den gelungenen Aufstieg. Das Dach war ganz flach, aus Beton und gerade so groß, dass MonaLena sich bequem darauf hinlegen konnte, um sich noch ein wenig auszurasten. Fast wäre sie ein bisschen eingeschlafen, wenn nicht ein wohl bekanntes Gesicht plötzlich neben ihr aufgetaucht wäre. „Was machst du hier oben?“, schnaufte ihre etwas größere Schwester Ute und zog sich langsam über die Kante zu ihr herauf. „Das ist mein eigener Balkon!“, sagte MonaLena stolz und streckte die Arme und Beine von sich so weit es möglich war. Auf dem großen Balkon des Hauses durften die Kinder nämlich nicht spielen. Mutti hatte es verboten, denn es war gefährlich dort. Einfach zu hoch für Kinder!

Ute zeigte mit einem Zeigefinger nach oben und legte den anderen Zeigefinger an ihre Lippen. „Pssssst! Da oben ist Mutti und hängt gerade die Wäsche auf!“, sagte sie und deutete auf eben diesen großen Balkon, der sich tatsächlich nur einen Katzensprung über ihnen befand. Sie hörten Mutti singen, wie sie es oft tat, wenn sie die Wäsche machte. Leise genossen die Kinder die Ruhe und das Geheimnis ihres Verstecks.

Leider blieb das nicht lange so!

Immer wieder kletterten Ute und MonaLena hinauf auf den versteckten Balkon. Manchmal durfte die Puppe mit und manchmal ein Buch zum lesen. Eines verhängnisvollen Tages jedoch entdeckte die kleine Schwester Nanna sie dabei. Sie war ihnen hinterher getapst, hatte die Schwestern beobachtet und entschieden, dass sie da auch hinauf wollte. Obwohl Nanna sehr gut klettern konnte schaffte sie es diesmal dicht und schon gab es ein riesen Geschrei: „Ich will auch hinauf! Das ist gemein!“

„MonaLena Blitzkind! Was soll denn das nun wieder für ein Idee sein? Bist du Wahnsinnig geworden? Das ist viel zu gefährlich da oben und du kommst jetzt sofort wieder herunter!“, schimpfte Mutti, die nun auch erschienen war. „Ihr geht da NIE wieder hinauf!“, hatte sie so laut geschrien, dass klein Nanna auf ihren Hintern plumpste.

Und denkst du, wir sind dann NIE wieder hinauf geklettert?

Doch! Es war leider viel zu schön da oben!

(Geschichten aus meiner Kindheit)

© MonaLena 26.05.2019

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