MonaLena Blitzkind: Der verbotene Garten

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MonaLena Blitzkind: Der verbotene Garten | story.one

Ich habe begonnen, die Geschichten meiner Kindheit zusammen zu schreiben. Meine Kinder lieben es, wenn ich sie erzähle und haben sich das gewünscht. Also erlebt "MonaLena Blitzkind" nun meine Vergangenheit am Papier, und das klingt dann z.B. so:

Der Gemüsegarten war von einem Bretterzaun umgeben, das Tor war versperrt und Mutti hatte gesagt: „Spielt nicht im Gemüsegarten, da werden meine Pflanzen kaputt!“ Aber MonaLena Blitzkind wollte gar nicht spielen. Sie wollte nur die schöne rote Tomate pflücken, die sie auf dem kleinen Strauch in der Mitte entdeckt hatte. Auf dem Bauch rutschend zwängte sie sich unter dem Zaun durch.

Rhesa, ihre etwas kleinere Schwester, stand draußen um Wache zu halten. Ute, ihre etwas größere Schwester, streichelte eines der drei Hühner, die in der Wiese nach Würmern scharrten, und die kleinste Schwester Nanna schlief ein Mittagsschläfchen mit dem Baby-Brüderchen Timon.

Liebevoll pflückte MonaLena die kleine, rote Tomate vom Strauch und wunderte sich ein wenig. Die war gar nicht ganz rund, diese Tomate, eher ein wenig spitz am Ende. Aber sonst sah sie sehr appetitlich aus. Also biss MonaLena herzhaft hinein und wollte die zweite Hälfte an Rhesa weiterreichen, die zwischen den Zaunlatten hindurch schon die Hand danach ausstreckte. Der Bissen blieb ihr aber im Halse stecken! Laut schreiend spuckte sie das unzerkaute Stückchen zu Boden, spuckte und spuckte und schrie immer lauter. Rhesa schrie auch, vor Schreck, und Ute kam gelaufen und schrie so laut sie konnte nach Mutti.

MonaLena war zum Tor gelaufen und rüttelte daran. Sie wollte raus aus dem Garten, sie wollte Hilfe und ihr ganzer Mund, die Lippen und auch der Hals brannten wie Feuer. Plötzlich wurde das Tor mit einem Ruck geöffnet, denn Mutti war schnell wie die Feuerwehr in den Garten gerannt. Da sah sie, was MonaL gegessen hatte. Mutti hätte es wohl auch erraten, wenn sie es nicht gesehen hätte. Es gab nichts in dem Garten, das so scharf war, wie die kleinen, roten Pfefferoni. Von der Nasenspitze bis zum Kinn war MonaLena leuchtend rot. Mutti nahm sie auf den Arm und trug sie ins Haus. Sie trocknete die Tränen, sie cremte die Lippen ein, sie gab ihr ein Stück Brot und ein Glas Milch zu trinken. Dann legte sie die weinende MonaLena in die Hängematte zwischen den Obstbäumen. Sie schaukelte sie noch ein wenig, nannte sie zärtlich „MonaL“, während sie ihr den Kopf streichelte. Mutti wartete, bis es nicht mehr gar so weh tat und MonaLena eingeschlafen war! Sie sah aus wie ein Clown! Ganz rot und weiß um den Mund, von der Creme. „Hast du nicht mit ihr geschimpft?“, fragte die etwas größere Ute. „Sie soll doch nicht in den Garten gehen!“ Und die etwas kleinere Rhesa versteckte sich vorsichtshalber, denn sie hatte ja Wache gestanden.

Aber Mutti schüttelte nur den Kopf. „Ich glaube, MonaL hat sich selbst genug bestraft!“, meinte sie und ließ ihr Blitzkind bis zum Abend in der Hängematte schlafen.

© MonaLena