MonaLena Blitzkind zieht aus!

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MonaLena Blitzkind zieht aus! | story.one

So konnte das einfach nicht weiter gehen! Diese ewigen Streitereien mit den vier Geschwistern und immer bekam MonaLena die Schuld daran! Mutti zog sie an den Ohren bis zur Kellertreppe, wo sie dann im dunkeln sitzen und sich fürchten musste, bis ihr erlaub wurde, sich wieder blicken zu lassen. Wenn Papa in der Arbeit war, fand sie es besonders schlimm, denn sie vermisste ihn sehr.

„Jetzt reicht es mir aber! Ich ziehe aus!“, rief sie und mit dieser Blitzidee im Kopf begann sie ihren kleinen Rucksack zu packen.

„Was machst du da?“, wollte Mutti wissen. Sie war heute besonders böse auf MonaLena und wollte ihre Ruhe von all den dummen Ideen, die ihr Töchterchen den ganzen Tag ausheckte.

„Was denn wohl! Ich packe meine Sachen, weil ich ziehe jetzt aus! Ich will nicht länger hier wohnen, wo mich sowieso keiner versteht!“, schrie MonaLena und stopfte ihren Pyjama zu den Kuscheltieren in den Rucksack.

„Na gut! Ich helfe dir!“, sagte Mutti in einem leisen Wut-Ton und holte auch noch den kleinen Reisekoffer. Zum großen Erstauen aller Kinder begann sie MonaLenas Kleidung, Zahnbürste und allerlei Spielsachen in den Koffer zu stecken. Dann verschloss sie ihn gut und trug ihn ohne ein weiteres Wort hinaus. Vor der Haustüre abgestellt schob sie MonaLena hinterher und schloss die Türe hinter sich.

Das stand sie nun und wusste gar nicht wohin sie eigentlich ausziehen sollte…

„Das wollen wir doch mal sehen!“, sagte sie zu sich selbst und zeigte der geschlossenen Türe die Zunge. Dann packte sie den Koffer, schnallte sich den Rucksack fest auf den Rücken und trabte langsam los.

„Auf wiedersehen Garten, lebt wohl Hühner!“, tapfer ging sie bis zum Ende des langen Grundstücks und durch das Tor im Zaun. Die Geschwister winkten ihr durchs Fenster nach und MonaLena verschwand. Denn jetzt wusste sie genau wohin sie wollte…

Dreimal ums Eck und ein wenig die Straße entlang, einige Stufen hinauf und schon stand sie mit Sack und Pack bei ihrer Großtante auf der Matte. Es dauerte ein Weilchen, bis diese die Türe öffnete, denn die Großtante konnte nicht mehr so schnell gehen.

„Was machst du denn hier? Und was soll denn der Koffer? Bringst du mir etwas vorbei?“, wollte sie mit erstauntem Lächeln wissen.

„Ja, mich!“, antwortete MonaLena, drängte sich schnell in die Wohnung und zog den Koffer hinterher. Damit hatte die Großtante aber nicht gerechnet. Völlig überrumpelt ließ sie die kleine Ausreißerin erstmal im Wohnzimmer ein paar Kekse naschen. Dann rief sie Mutti an und erkundigte sich, was denn da los wäre. MonaLena gefiel das gar nicht, denn sie wollte nicht, dass Mutti wusste, wohin sie ausgezogen war.

„MonaLena Blitzkind! So geht das nicht! Du kannst nicht bei mir wohnen. Am Abend musst du wieder nach Haus, hat deine Mama mir gesagt!“, und Koffer und Rucksack blieben gleich im Vorraum stehen.

„Ich will aber nicht!“, meckerte MonaLena. Sie war wirklich böse auf Mutti, gleichzeitig aber auch irgendwie erleichtert, abends wieder heim zu dürfen.

(Aus meiner Kindheit)

© MonaLena