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Muuuh´s das sein?

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Muuuh´s das sein? | story.one

Meine Großeltern hatten eine Hütte in der Nähe von Krieglach, weit oben auf der Alm. Nicht wie Peter Rossegger, sondern ganz wie Heidi fühlten wir uns, wenn wir mit den Eltern dort Urlaub machten. Mit dem Auto sollte man nicht unbedingt ganz hinauf fahren, also ging es immer ein Weilchen zu Fuß dahin. Es war ein steiler Anstieg! Für eine Familie mit fünf Kindern gar nicht mal so einfach. Die einen waren noch zu klein, um so weit zu laufen, die anderen waren nichts gewohnt und jammerten Mutter und Vater die Ohren voll. Papa ließ es sich nicht nehmen, die Kinder auch mal mit dem Motorrad hinauf zu fahren, um die Sache etwas zu verkürzen. Er fuhr langsam hin und zurück, bis alle in der Hütte waren.

Ich hatte Angst vor den Kühen, denen wir immer wieder begegneten. Da wir auch den bellenden Hund mit hatten, waren sie nervös und machten wilde Sprünge oder liefen plötzlich wütend in irgendeine Richtung los.

Bei der Hütte angekommen fühlten wir uns gleich wohl. Ein heißes Feuer im Ofen, schlafen auf muffigen Matratzen am Dachboden, eingehüllt in unsere raschelnden Schlafsäcke. Durch ein Loch im Boden konnten wir hinunter in die Stube schauen und unsere Eltern noch miteinander reden hören. Leise trappelten Mäuse durchs Gebälk und der Wind blies über die Holzschindeln am Dach. Heidi hatte es sicher genauso gemütlich.

Tagsüber suchten wir Pilze im Wald, riffelten Preisel- und Schwarzbeeren von den Sträuchern, freuten uns über die blauen Zungen und auf das gute Essen, das Mama später noch zaubern würde. Der unausgesprochene Wettbewerb unter den Kindern, wer mehr Teller mit Sterz verdrücken konnte, sorgte für reichlich satte Bäuche.

Immer gut darauf achtend, den Kühen nicht zu Nahe zu kommen, spazierten wir durch diese herrliche Almlandschaft auf der Suche nach Erholung, Abendteuern und Leckereien der Natur. Mutig streckten wir die Hände durch den Zaun, der um die Hütte verlief, um sie von den neugierigsten Kühen abschlecken zu lassen. Sie erschienen mir riesig und ihre Zungen waren so rau und sanft, dass ich mit der Zeit ein wenig meine Angst verlieren konnte. Tief in mir steckte wohl immer noch die schreckliche Erinnerung an jene entspannte Kuh in einem Stall, die mir einst mein hübsches, neues Dirndl besudelte. Ich war erst vier und bekam eine Führung am Bauenhof, der an das Gasthaus grenzte, bei dem wir zum Essen waren. Dabei erleichterte sich eine Kuh unwissentlich AUF mir, als ich gerade an der Hand der Bäuerin hinter ihr vorbei ging. Der Schock war groß, das Gelächter der Verwandten genauso! Nur meine Mutter schüttelte verärgert den Kopf und meinte, dass sowas nur mir passieren könnte.

Aber da auf der Alm, da versöhnte ich mich ein wenig mit den Kühen. Auch wenn ich bis heute angst vor ihnen habe! Zu groß, zu behörnt, zu gefährlich, zu unberechenbar! Hat mich nicht im letzten Sommer ein junger Stier mitsamt meinen Kindern Hals über Kopf in die Büsche gejagt? Ja!

Wir werden wohl keine dicken Freunde mehr, die Kühe und ich, nicht in diesem Leben!

© MonaLena 01.05.2020

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