Papa hat´s gegruselt

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Papa hat´s gegruselt | story.one

Ich war auf Fortbildung und für vier Tage außer Haus. Mein Mann war sozusagen"Strohwitwer". Unsere Kinder, damals drei und fünf Jahre, hatten das liebenswert-knuffelige Alter erreicht, in dem sie schon herrlich miteinander spielen konnten und dabei allerlei Blödsinn ausheckten. Papa war das aber gewohnt, da er ohnehin viel Zeit mit ihnen verbrachte, er kannte ihre kleinen verrückten Ideen. Trotzdem, wie es manchmal eben so passiert, wurde er überrascht:

"Alles in Ordnung!", kam seine zusammenfassende Meldung am ersten Abend. Sie hatten einen feinen Tag miteinander gehabt, keine großen Aufregungen. Meine typisch übertriebenen Sorgen waren alle unbegründet, Mann und Kindern ging es gut!

"Ja, die Kinder schlafen schon!", kam es am zweiten Abend bei mir an. Tagsüber hatten wir natürlich telefoniert, auch die Kinder wollten mich sprechen, und ich vermisste sie schon wahnsinnig. Am Abend alleine ins Bett zu müssen, das war ich schon gar nicht mehr gewohnt. Das Kuscheln fehlte mir! Ihre kleinen Stimmen am Telefon die mir ein "Wir vermissen dich auch!", zwitscherten, rührten mein sehnsuchtsvolles Herz an.

"Heute war es etwas anstrengend!", las ich eine Nachricht am dritten Abend an dem ich Auswärts schlief und hatte mir insgeheim schon etwas derartiges gedacht. Ich fand es auch immer anstrengender, wenn ich mit den Kindern alleine war, als wenn da noch eine helfende Hand in der Nähe kreiste. Zum Glück gab es die Oma, die auch diesmal wieder mit anpackte.

Am vierten Abend bereitete ich mich darauf vor, rasch nach Hause zufahren, nachdem ich am nächsten Morgen nochmal ein ruhiges Frühstück genießen würde. Die Fortbildung war spannend, interessant und lehrreich gewesen, ich hatte nette Menschen kennengelernt und natürlich auch die Ruhe genossen. Bei aller Liebe zu den Kindern, es tat gut sie einmal ein Weilchen NICHT zu sehen, auch wenn ich sie vermisste. So allein hatte ich etwas Zeit gewonnen mich neu zu ordnen, mich zu erholen, wieder ein Stückweit zu mir selbst zurück zu finden. Aber nun freute ich mich trotzdem schon sehr auf zu Hause...

Wie es meinem Mann wohl gerade ging? Ich dachte voll Sehnsucht an ihn, als das Telefon eine Nachricht ankündigte. Ein kleines "Piep" mit einem Foto dazu. Mir stockte einen Moment lang der Atem ... dann musste ich schallend lachen. Mein Mann war beim aufräumen wohl über etwas gestolpert, das er nicht so recht einordnen konnte. Die Kinder hatten kürzlich angefangen "Arzt" zu spielen und verarbeiteten ihre Erlebnisse von Doktor und Krankenhaus an sämtlichen Kuscheltieren und Puppen, die sie finden konnten. Da wurde Untersucht, Operiert, Verbunden, Narkosen verpasst und Bettruhe verordnet. Eine Puppe musste wohl sehr krank gewesen sein, denn die Nachricht lautete:

"Ich hab grad unter dem Bett eine Babypuppe gefunden! Mit Wolle an ein Buch gefesselt, mit Messer und Gabel. Außerdem war sie mit Buntstiften gespickt und hatte einen Löffel hinten rein gesteckt. Müssen wir uns Sorgen machen?"

© MonaLena