Party, Party, Lebensgefahr

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Party, Party, Lebensgefahr | story.one

Wenn die Jugend meiner Kinder auch nur annähernd so verrückt wird wie meine, kann ich mich noch auf viele Angstnächte gefasst machen.

Unsere Parties waren immer der Hammer! Wir feierten wann und wo es nur ging und stets mit viel Alkohol, Zigaretten und Gras. Irgendwie schien das in meinem Freundeskreis relevant zu sein. Zumindest einen kleinen Joint musste jemand mitbringen! Später bauten sie sich selber "Bongs" (Wasserpfeifen) und kifften sich die Birnen weich. Einer meiner Freunde züchtete Gras in seiner Wohnung. In seiner Abstellkammer stapelten sich die ungelesenen Studienbücher auf zwei Regalen, um die Wärmelampe auf der Vorhangstange höher hinauf zu bekommen, da die Pflänzchen bereits bis knapp unter die Decke wuchsen. Seine Wohnung roch so verdächtig nach Marihuana, dass man es am Gang und auch noch auf der Strasse riechen konnte. Warum das niemandem aufgefallen war, verstehe ich bis heute nicht! Er selbst war bei jedem meiner Besuche weiß, wie die Wand hinter sich, saß am Sofa, schummrige Musik an, eine überdimensionale Bong vor sich am Boden, die er aus einer alten Standvase seiner Großmutter gebaut hatte. Daneben am Regal waberte die obligatorische Lavalampe und tauchte den Rauch im Zimmer in grün-gelbes Licht.

Ich war kein Fan vom Kiffen! Passiv rauchte ich sowieso mit und zu den wenigen Zeiten, wo ich es wagte mal wirklich ein paar Züge zu nehmen, rächte es sich sofort. Ich bekam Alpträume wenn ich einschlief, hatte Verfolgungswahn wenn ich wach blieb und mein Körper fühlte sich immer taub und leblos an. Dann wollte ich nicht mehr sprechen, denn alles was ich sagte hörte sich unglaublich schwachsinnig und falsch an, als wäre ich eine dumme Lügnerin. "Die glauben alle du spinnst, sei lieber still!", ermahnte ich mich innerlich.

Der Alkohol brachte die schlimmeren Seiten in uns hervor. Wir waren ideenreich, risikofreudig, aggressiv und zu Tode betrübt, wenn die sentimentale Phase durchkam. Ich kletterte außen an Fassaden herum, trank Motoröl und kotzte mir mehrmals die Seele aus dem Leib. Wir versenkten Bierflaschen in Pools, um sie völlig betrunken wieder herauf zu tauchen, wir brachen in Schwimmbäder ein, schissen sogar einmal dem Bürgermeister in den Vorgarten. Wir begannen oft schon vor dem Frühstück mit dem Saufen und blieben bis in die Nacht hinein eisern dabei. Schlafen konnten wir überall. Im Park, in der Disco, endlos im Nachtbus, in leeren Badewannen, am WC und mitten am Fliesenboden, es war uns völlig egal. Ich fuhr betrunken mit Rollerskates durch die Stadt und auf geklauten Fahrrädern heim. Ich ging mit Jungs mit nach Hause, die ich kaum kannte und fühlte mich doch immer sicher, kompetent und völlig Herrin der Lage! Jugendliches Selbstvertrauen und naives Glück haben mich durch diese Zeit gebracht. Ich hoffe, dass meine Kinder auch eine gehörige Portion von diesem Glück haben werden und dazu ein wenig mehr Verstand!

Vielleicht schlagen sie ja nach ihrem Vater aus, der war da weit vernünftiger!

© MonaLena