Putzhilfe im Messie-Haushalt

In einer riesigen Altbau Wohnung lebte eine 60 Jährige, kränkelnde Frau, die mich als Reinigungskraft und Aufräumhilfe engagierte. Ich brauchte etwas Geld um mir mein Studium zu finanzieren und nahm verschiedenste Jobs an, wann auch immer ich konnte.

Sie lebte allein, seit ihre Mutter verstorben war, die sie jahrelang gepflegt hatte. In der 230 Quadratmeter Wohnung, die aus zwei zusammengelegten Wohneinheiten bestand, streckten sich die Regle bis unter die Decke. Vom Tischler gefertigte Ablagebretter, Kästen auf Rädern und dicke Bücherregale als Raumtrenner beherrschten jeden Winkel. Darüber hinaus Sofas, Tische, Stühle, Betten und andere Möbel, sowie Geschirr und Haushaltsgeräte, mit denen man bestimmt mehrere Familien hätte ausstatten können. In den Kästen stapelten sich endlose Sammlungen von Bastelmaterialien, denn die Frau nähte, malte und töpferte seit Jahren. Das konnten Kisten mit Stoffresten sein, mit Perlen und bunten Knöpfen gefüllte Gläser aber auch wertloses Material, wie nebeneinander geschlichtete, gereinigte Aludeckel von Joghurtbechern, daneben die Joghurtbecher selbst. Es gab auch Naturmaterial, wie lange Grashalme, Federn und getrocknete Blumen.

Da herrschte aber kein wirres Chaos! Es war mehr ein geordnetes Anhäufen von Dingen, die sie nicht wegwerfen konnte, da sie ja sicher irgendwann noch braucht würden. Vor allem für die "Kunstwerke" die sie dann daraus machen wollte. Aufgrund ihrer Krankheit, die sich mit Schmerzen in den Händen äußerte, machte sie jedoch meist garnichts, außer die Dinge zu sammeln.

Eines Tages zeigte sie mir den geheimen Raum, den sie hinter einer verschiebbaren Regalwand verborgen hielt. Da ihre Mutter darin verstorben war betrat sie ihn nicht gerne. Also sollte ich darin sauber machen.

Ich bekam Tee von ihr, nachdem ich die Teppiche reinigte, Gegenstände abstaubte und ihr beim verschieben der Möbel half. Ich trank den Tee, bis ich herausfand, dass sie auch die Teebeutel nicht wegwarf, sondern in einem verschimmelten Glas sammelte, um sie immer wieder aufzugießen.

Ich bekam Bärlauchsuppe von ihr und aß sie gerne, bis sie mir gestand, dass sie den Bärlauch selbst im Garten gepflückt hatte. Der Garten war aber voller Maiglöckchen, und die alte Dame trug dicke Brillen. Da aß ich vorsichtshalber keine Suppe mehr und war froh, dass ich diese Tage überlebt hatte.

Ab dem Tag, als ich den geheimen Kühlschrank entdeckte, der in einer alten, unbenutzen Zweitküche verborgen geblieben war, aß ich generell nichts mehr bei ihr. Ich öffnete das Ding einen kleinen Spalt um nach zu sehen, ob der nicht auch einmal von mir gereinigt werden sollte. Ein tödlicher Gestank waberte mir entgegen! Es roch nach lange verwestem Fleisch und ich hatte kurz den Gedanken, dass sie ihre verstorbene Mutter vielleicht auch nicht hergeben hatte können...

Was sich tatsächlich darin befand, habe ich nie erfahren. Ich hatte einfach nicht dem Mut nochmal hinein zu schauen...

© MonaLena