Reisen mit Bauchgepäck

Wenn Freunde heiraten ist kein Weg zu weit, um sie ins gemeinsame Glück zu begleiten. Unsere Tochter war fast zwei Jahre alt, sie war also kein Hindernis für eine Reise nach Schweden. Mein Bauch jedoch beherbergte unseren acht Monate alten Sohn, der sich darin sehr breit gemacht hatte und mich dementsprechend mit verformte. Also musste ich einiges einplanen: Trombosestrümpfe zum Beispiel, nur leichtes Gepäck, unbequeme Sitzpositionen und darüber hinaus wollte die Kleine auch noch gerne von mir getragen werden.

Am Flughafen setzten wir sie auf den Trolley, was dazu führte, dass sich gleich eines der Räder verabschiedete. Beim Start des Flugzeugs schlief sie natürlich auf meinem Schoß ein, auf dem ohnehin kaum Platz war. Wir wollten sie nicht wecken, also harrte ich möglichst lange so aus! Sehr unbequem! Dort angekommen holten uns unsere Freunde mit dem Auto ab. Beengt ging es aufs Land zu einem wunderschönen, schwedischen Bauernhof. Dort verbrachten wir einige Tage, warteten auf das Eintreffen anderer Gäste, lernten die Familie kennen. Pferde, Ziegen, Hunde, ein Teich, ein Bagger und viel, viel Landschaft gab es zu bestaunen, während wir riesige Scheiben Knäckebrot aßen.

Mit dem Bus zu einer Fähre, mit der Fähre auf eine Insel, mit dem Fahrrad zu den Unterkünften. Ich schleppte meinen Bauchbewohner tapfer mit.

Bei der Hochzeit sangen wir ein Lied für das Paar, tanzten, feierten bis tief in die Nacht hinein. Auf der ganzen Insel war Autofahren verboten. Abends fuhren wir darum mit der Pferdekutsche zum Restaurant am anderen Ende. Später stand ein Quad bereit um mich und alle erschöpften Gäste vom Restaurant zurück zur Unterkunft zu fahren. Das schlafende Töchterchen wurde von Papa im Tragtuch zurück getragen, worauf er ob der Last und der langen Strecke im Dunkeln sehr stolz war.

Mit der Fähre ging es zurück nach Stockholm. Eine lange fahrt, der Untermieter wurde ganz schön herum geschaukelt. Erschöpft verschlief ich die meiste Zeit, während die Kleine ihre ersten Türme aus Dublo-Steinen baute. In Stockholm waren die kleinsten, fensterlosen Zimmer reserviert, die man bekommen konnte. Das war eine reine Preisfrage! Der Raum war durchgehend mit einer geblümten Tapete verziert, Deckenventilator, Licht, Doppelbett und ein Stuhl, für mehr war kein Platz. Nicht einmal für Geräusche! Bunkeratmosphäre, wären da nicht die Blümchen gewesen! Bauch-Baby schlief ruhig, ich mit mulmigem Gefühl, das Töchterlein wollte unbedingt im Koffer schlafen, kuschelte sich dann aber doch noch zu uns ins Bett.

Wieder in Österreich angelangt, dauerte es nicht lange und mein Sohn surfte auf die Welt. Von der ganzen Reise hatte er nichts mitbekommen! Immer wenn wir von Schweden und unseren Abenteuern erzählen, von der schönen Hochzeit, dann findet er das wahnsinnig unfair! Vielleicht schaffen wir irgendwann nochmal eine Reise in dieses schöne Land, damit er auch etwas davon sehen kann, und nicht nur durchgeschaukelt wird!

© MonaLena