Schultag Nummer eins!

Es sind oft einfache Situationen, die mich schwer zum Nachdenken bringen. Etwa heute, als die Frage einer Mutter an die Klassenlehrerin am ersten Schultag wie ein Damoklesschwert durch den vollbesetzten Raum schwingt:

"Wie wird damit umgegangen, wenn ein Kind etwas anstellt oder sich nicht benehmen kann?"

Das hat mich echt mitgenommen.

Wie muss es dem Kind wohl gerade gehen?

Das Klassenzimmer voller Gymnasium-Erstklässler und deren Eltern ist so still, dass man wohl mein empörtes Herz noch in der ersten Reihe hat protestieren hören. Ich fragte mich sofort, WER zu dieser Mutter gehört und was um alles in der Welt er oder sie denn schon schlimmes angestellt hatte, dass diese Frage gleich am ersten Tag nötig war?

Ganz zu schweigen von den negativen Gefühlen gegenüber dem mysteriösen Kind, die es in mir auslöst: "Das kann ja noch lustig werden, wenn wir da so ein Problemkind in der Klasse dabei haben!"

Ich schaue mich um, aber komme nicht darauf, wer hier zusammengehört.

Die Klassenlehrerin bleibt ruhig. Sie beantwortet die Frage souverän: "Es gibt immer zuerst Gespräche mit dem betreffenden Kind. Wenn das nicht hilft, dann werden die Eltern eingeladen und anhand eines Fallprotokolls wird dann besprochen, was genau vorgefallen ist und wie die Situation gemeinsam verbessert werden kann. Ein solches Gespräch schließt den Schuldirektor mit ein. Wir sind dabei immer lösungsorientiert und setzen auf positive Zusammenarbeit!"

Ich bin beeindruckt und dann dämmert es mir...

Vielleicht hat die Mutter einfach schon so viele schlechte Erfahrungen gemacht, wie mit ihrem lebhaften oder vielleicht auch unbeliebten, unverstandenen und speziellen Kind umgegangen wurde! Vielleicht will sie sich gleich vergewissern, dass ihr Kind nicht wieder darunter zu leiden hat, wenn es ihm schwer fällt, sich einfach und rasch anzupassen?

Ein Junge in der mittleren Bankreihe zeigt auf und stellt selbstbewusst seine Frage: "Wenn ein Lehrer krank ist und nicht in die Schule kommen kann, fällt der Unterricht dann aus?"

"Nein! Es ist gesetzlich verboten, dass in der Unterstufe Stunden entfallen. Es kommt dann jemand in die Klasse und übernimmt das Fach in Vertretung!", antwortet die Lehrerin freundlich.

"Ok, schade!", sagt der Junge und der ganze Raum bricht in Gelächter aus.

Er dreht sich um und sieht die Frau an, die zu Beginn die unangenehme Frage gestellt hat. Sie ist rot angelaufen, aber sie lacht. Ich halte das für ein gutes Zeichen.

Meiner Tochter hat ihr erster Schultag jedenfalls gefallen. Sie findet die Lehrerin witzig und ihre beste Freundin sitzt neben ihr im Klassenzimmer. Ein guter Anfang, ein vielversprechender Start. Wir sind alle schon gespannt, wie sich die Jahre im Gymnasium entwickeln werden. Auf jeden Fall lösungsorientiert und in guter Zusammenarbeit! Das ist ein wohltuender Ausblick in die Zukunft!

© MonaLena