Sowas von peinlich...

Wir waren nach einem langen Tag mit Schule und Arbeit auf dem Weg nach Hause, als mein Vater plötzlich seinen blauen VW-Bus in einem kleinen Ort am Straßenrand parkte. Er war zu der Zeit noch Raucher. Natürlich niemals im Auto und schon gar nicht, wenn eines seiner fünf Kinder dabei war. Das war für ihn als Pädagoge undenkbar! Immer mit gutem Beispiel voran, soweit das eben möglich war.

"Geh du schnell da rein und hol mir zwei Schachteln Marlboro!" sagte er zu mir, drückte mir einen Schein in die Hand und deutete mit dem Kopf auf die andere Straßenseite.

Sehr ungewöhnlich! Wusste ich doch genau, dass er ja eigentlich seine Zigaretten selbst drehte. Immerhin hatte ich es vor einem Jahr von ihm gelernt! Das war bei einer Familienfeier, ich war dreizehn und fand es unheimlich langweilig da mit der ganzen alten Verwandtschaft im Gasthaus herum zu sitzen. Das Erlernen des "Wuzeln" kam mir da als Zeitvertreib gerade recht und Papa zeigte mir genau, wie man schöne, dichte und nicht zu dicke Zigaretten drehte.

"Los, los!", riss er mich aus meinen Gedanken und stupste mich mit dem Ellenbogen an meiner Schulter an. Ich schnallte mich ab, hüpfte vom Beifahrersitz, ging um das Auto herum, schaute ganz brav nach links und nach rechts, bevor ich auf die Straße latschte, und ging wie beauftragt "da rein" um Papas Tschick zu kaufen. Ein langer, dunkler Tresen aus poliertem Holz, ein älterer Herr dahinter, ich klatschte möglichst cool das Geld hin und versuchte mit fester Stimme die erwünschte Ware zu bestellen: "Zwei Schachteln Marlboro!" piepste ich und der Mann sah mich einige Sekunden verdutzt an. Er zog die Augenbrauen sehr weit nach oben.

Fragt der mich jetzt nach meinem Ausweis? Mein Herz klopfte mir in den Ohren.

"Das ist eine Apotheke hier!",entgegnete er spröde. "Die Trafik ist nebenan!"

SHIT!

Schnell das Geld von dem Tresen gezogen, mit hochrotem Kopf zurück auf die Straße! Ein Blick hinüber zu meinem Vater machte die Situation nur noch schlimmer. Er bog sich im Auto vor lachen und ich starrte ihn böse an! Dann also nebenan das ganze Spiel noch einmal wiederholen.

Zwei Minuten später hatte ich die Packungen in der Jackentasche, meine Kapuze weit ins Gesicht gezogen und watschelte verlegen zurück zum Bus.

"Kein Wort!", schnauzte ich Papa an und knallte ihm den Mist und das Wechselgeld scheppernd aufs Armaturenbrett und die Autotüre zu. Ich glaube es kostete ihn viel Kraft nicht weiter zu lachen und keinen blöden Kommentar abzugeben. Ich bin ihm heute noch sehr dankbar dafür!

© MonaLena